Der Diamantenvogel – Märchen Spanien

119

Der Diamantenvogel – Märchen Spanien

Nun, es waren also einmal zwei Freunde, die waren Goldschmiede und sehr reich. Aber einer von ihnen hatte Unglück und verlor sein ganzes Vermögen. Daher wandte er sich an den anderen um Hilfe, doch der war geizig und sagte ihm, er könne ihm nichts geben, denn er habe zwei Söhne und brauche das Wenige, was er habe, für sie. 

Als der Arme sich nun so ganz ohne Mittel sah, bewarb er sich um den Wachtposten eines Geheges, und als er ihn bekommen hatte, zog er sich dorthin zurück. Da er gern jagte, nahm er stets seine Flinte mit sich und erlegte Wild für seine Mahlzeiten, denn das erlaubte ihm sein Herr.

Eines Tages nun sah er einen Vogel, der leuchtete in so schönen Farben, dass er ihn gerne gefangen hätte. Er lud seine Flinte mit Schrot, schoss ab und hatte das Glück, ihn zu treffen, ohne ihn schwer zu verletzen. Er sperrte ihn in einen Käfig ein, und als er ihm nun am nächsten Tag etwas zum Fressen brachte, da sah er in dem kleinen Nest, das er ihm gemacht hatte, einen wunderbar glänzenden Stein, den er als Goldschmied sogleich als Diamanten erkannte. Er konnte sich nicht erklären, wie dieser dahin gekommen war; doch als er am nächsten Tag wieder einen fand und danach wieder einen, begriff er, dass der Vogel täglich statt Eier Diamanten legte. Er brachte sie zum Goldschmied, der sie ihm abkaufte und für jeden Stein sechstausend Münzen gab.

Als er das Geld hatte, gab er den Wachtposten auf und zog wieder ins Dorf, und da der Vogel ihm weiterhin Diamanten schenkte, wurde er bald sehr reich. Der andere Goldschmied, der sehr neidisch war, wollte wissen, woher er die Diamanten habe, doch sein Freund wollte es ihm nicht sagen; da beschuldigte er ihn des Diebstahls und drohte, ihn bei Gericht als Dieb anzuzeigen. Darüber wurde der Vogelbesitzer sehr empört, und um ihm zu beweisen, dass sie nicht gestohlen waren, erzählte er ihm, was er erlebt hatte.

Der andere aber schlug vor, ihm den Vogel zu verkaufen, doch der Freund sagte nein; aber er fürchtete schließlich, dass der Goldschmied ihm eines Tages einen bösen Streich spielen würde, und da er inzwischen reich geworden war, sagte er, er wolle den Vogel gegen das Haus und die Werkstatt mit allem, was sich darin befinde, eintauschen. Und da der andere Goldschmied hoffte, durch die Diamanten des Vogels bald noch reicher zu werden, willigte er ein. Er unterschrieb den Vertrag, überließ ihm sein Haus und seine Werkstatt und nahm dafür den Vogel. Die ersten Diamanten, die er im Käfig fand, verkaufte er und kaufte sich dafür wieder ein Haus, in dessen Garten er einen großen Vogelkäfig stellen ließ.

Als der Goldschmied nun eines Tages den Vogel betrachtete, der sich plusterte und mit seinen Flügeln schlug, sah er unter dem einen Flügel eine Inschrift. Er nahm den Vogel heraus, um nachzusehen, was darauf stand, und er las: »Wer meinen Kopf isst, wird König werden.« Er hob den anderen Flügel hoch, da sah er noch eine Inschrift, darauf stand: »Wer mein Herz ganz hinunterschluckt, ohne es zu zerkauen, wird jeden Morgen unter seinem Kopfkissen eine Börse voll Gold finden.« Der Goldschmied, der, wie ich schon sagte, geizig und habgierig war, geriet ganz außer sich vor Freude und sprach: »Dies ist mehr wert als Diamanten, am besten wäre es nun, den Vogel zu töten. Dann esse ich den Kopf und das Herz und werde König werden und reich sein wie kein anderer in der Welt.«

Und gesagt, getan: Er nahm den Vogel, tötete ihn und gab ihn der Köchin zum Braten mit den Worten: »Merke dir, dass ich dir die Haut bei lebendigem Leib abziehe, wenn du ihn anbrennen lässt oder wenn irgend etwas daran fehlt.« Nun also, die Köchin briet den Vogel und stellte ihn beiseite für die Mahlzeit. Dann ging sie aus der Küche.

In diesem Moment kamen die Söhne des Goldschmiedes von draußen herein, und da sie Hunger hatten und den gebratenen Vogel entdeckten, schnitt der älteste den Kopf ab und aß ihn auf, und der jüngste nahm das Herz heraus, um es zu essen. Doch da kam die Köchin herein, und da schluckte er es schnell ganz hinunter, damit sie ihn nicht kauen sah und es nicht seinem Vater sagte. Die Köchin merkte es nicht, und als ihr Herr um den Vogel bat, nahm sie die Platte und trug sie hinein. Als erstes suchte der Goldschmied das Herz und den Kopf, doch soviel er den Vogel auch hin und her wendete, konnte er sie nicht finden. Voller Wut rief er die Köchin herbei und fragte sie nach dem Kopf und dem Herzen, doch die arme Frau erklärte, dass sie es nicht aufgegessen habe. »Hab ich dir nicht gesagt, dass ich dir bei lebendigem Leib die Haut abziehe, wenn irgendetwas fehlt? Du hast es aufgegessen, und jetzt wirst du entweder auf der Stelle Herz und Kopf von dir geben oder sterben.«

Er holte einen Stock und begann damit auf die arme Frau loszuhauen; die brach in ein fürchterliches Geheul aus und schwur beim Himmel und allen Heiligen, dass sie es nicht genommen habe. Auf die Schreie der Köchin hin liefen die Söhne herbei; und als sie ihren Vater so in Zorn sahen, mischten sie sich ein und fragen ihn, was denn geschehen sei, dass er die arme Frau so schlage. »Wegen ihrer Naschhaftigkeit schlage ich sie«, sagte der Vater, der Reich und Geld dahinfahren sah, »ich gab ihr den Vogel zum Braten und befahl ihr, aufzupassen, dass nichts daran fehle, und nun hat sie den Kopf und das Herz aufgegessen.«

Als die Söhne das hörten, wollten sie nicht, dass die arme Frau ihretwegen bestraft wurde, und sie sagten: »Wenn es sich so verhält, hast du kein Recht, sie zu schlagen, denn sie ist es nicht gewesen, sondern wir; wir kamen in die Küche, als sie gerade nicht da war, und da haben wir den Kopf und das Herz gegessen.«

»Wenigstens nicht ganz so schlimm, wie ich dachte«, sagte der Vater, der sah, dass an der Sache nichts mehr zu ändern war und dass, wenn nicht er, so doch einer seiner Söhne König werden würde, und dem der Gedanke kam, dass er ja auf den anderen Sohn aufpassen könnte, ihm nichts zu sagen brauchte und selber jeden Morgen die Börse mit Gold unter dessen Kopfkissen hervorholen könnte. So beruhigte er sich allmählich und erkundigte sich, wer das Herz hinuntergeschluckt habe; er hörte, dass es der Jüngste gewesen sei.

Und dabei ließ er es; er sagte seinen Söhnen nichts, und am nächsten Morgen ging er an das Bett des Jüngeren und fand unter dem Kopfkissen eine Börse mit Gold. Von da ab holte er jeden Morgen die Börse, ohne dass der Sohn etwas merkte.

Nun, eines Tages lud ein Freund die Söhne, die inzwischen erwachsen waren und gern jagten, zu sich auf sein Gut ein, wo es viele Kaninchen gab. Der Vater war dagegen, aber der Freund bat so inständig darum, dass ihm nichts anderes übrig blieb, als seine Söhne ziehen zu lassen; doch er trug ihnen auf, nicht zu lange fortzubleiben. Sie kamen auf dem Gut an, und am frühen Morgen zogen sie auf die Jagd, und als sie gegen Abend zurückkehrten, gab eine Magd dem jüngsten der Brüder eine Börse und sagte: »Nehmt diese Börse! Ihr habt sie heut morgen unter dem Kopfkissen vergessen.«

»Die Börse gehört mir nicht«, sagte der Jüngling. »Doch, Herr«, beharrte die Magd, »als ich Euer Bett machte, fand ich sie, und sie gehört Euch.« Der Jüngling glaubte, dass man Scherz mit ihm treiben wollte, und er sagte: »Gut, wenn sie mir gehört, so behaltet sie; ich schenke sie dir.« Die Magd strahlte vor Vergnügen, und wenn man sie gefragt hätte, wer der liebe Gott sei, so hätte sie auf den jungen Herrn gezeigt.

Der Jüngling ging zu Bett; als er lag, rauchte er noch eine Zigarre, und weil er nicht mehr aufstehen mochte, legte er die Zigarrentasche unter das Kopfkissen. Als er am nächsten Morgen erwachte und die Tasche hervorholen wollte, sah er die Börse mit Gold. Er glaubte, dass man noch weiter Scherz mit ihm treibe, und nahm sie an sich, um zu sehen, ob man sie zurückfordern würde; doch niemand sagte ihm etwas, und als er am folgenden Tag wieder solch eine Börse fand, meinte er, es sei dieselbe, und er sah nach, ob man ihm die vorige weggenommen habe; aber sie war auch noch da. Und da er jeden Tag eine neue Börse fand, wurde er aufmerksamer, denn dies konnte kein Scherz mehr sein. »Aha«, sprach er bei sich, »das ist etwas anderes. Ohne Zweifel ist deswegen mein Vater jeden Morgen in mein Zimmer gekommen, um meine Kissen aufzuschütteln, bevor ich aufstand, und daher wollte er auch nicht, dass ich hier meinen Freund besuche. Ich muss jetzt herausbekommen, was es mit der Börse auf sich hat.«

Sie verbrachten auf dem Besitz noch einige Tage und kehrten dann nach Haus zurück.

Als sie dort angelangt waren, rief der jüngere Sohn seinen Vater und seinen Bruder zu sich und sagte: »Vater, ich habe bemerkt, dass sich jeden Morgen beim Aufstehen unter meinem Kopfkissen eine Börse voll Gold befindet! Du wirst es wissen, und ich wünsche, dass mir die Ursache davon gesagt wird.« Da blieb nun dem Vater nichts anderes mehr übrig, und er musste die ganze Geschichte mit dem Vogel erzählen, und er sagte seinem jüngsten Sohn, dass er jeden Tag die Börse finde, weil er das Herz damals hinuntergeschluckt habe, und dass sein Bruder zum König bestimmt sei, weil er den Kopf gegessen habe.

Diese Nachricht machte die beiden Brüder ganz glücklich, und der jüngste, der seinem Vater sein ganzes Geld gab, sagte: »Mit diesem Geld und dem, was du schon hast, wird dir dein Leben lang nichts mehr fehlen. Ich möchte jetzt in die Welt hinausgehen und so viele Länder sehen, wie ich nur kann.« Der Vater versuchte, ihn davon abzubringen, aber er erklärte: nein, er wolle losgehen und würde erst dann zurückkommen, wenn er des Reisens müde geworden sei. Der Bruder sagte, er wolle ihn begleiten, und darüber freute er sich, denn so brauchte er nicht allein zu sein. Der Vater bereute, die Geschichte von dem Vogel erzählt zu haben, doch da jetzt nichts mehr daran zu ändern war, musste er sich mit dem Entschluss seiner Söhne abfinden und sie ziehen lassen, und er gab ihnen seinen Segen und bat sie, bald zurückzukehren, denn er wollte nicht sterben, ohne sie wieder gesehen zu haben.

Die beiden machten sich auf den Weg, und als sie viele Meilen zurückgelegt hatten, sahen sie eines Morgens eine Staubwolke und das Aufblitzen vieler Waffen, die ihnen entgegenkamen. Bald darauf erkannten sie, dass es ein Regiment Soldaten war, die auf sie zukamen und halt machten; dem ältesten Bruder näherten sich einige Pagen, die reichten ihm auf einem Kissen eine Krone und die königlichen Insignien dar und sagten ihm, sie machten ihn zum König; sie hätten ihn in seinem Haus aufsuchen wollen und nun die Hälfte des Weges gespart, da er ihnen entgegengekommen sei.

Da der Vater den beiden Brüdern die Geschichte von dem Vogel erzählt hatte, waren sie von all diesem nicht überrascht. Der Älteste nahm die Krone an und stellte sich an die Spitze der Truppe, sein Bruder an seine Seite, und so setzten sie den Weg fort, bis sie die Hauptstadt des Landes erreichten, wo sie mit großem Jubel empfangen wurden. Der jüngere Bruder blieb dort, solange die Festlichkeiten dauerten; doch als sein Bruder den Thron bestiegen hatte, sagte er, er wolle weiterreisen. Der König bat ihn zu bleiben und versprach ihm den ersten Posten in seinem Reich und die Heirat mit einer Prinzessin; aber der andere erwiderte: nein, er sehne sich danach, noch andere Länder kennen zu lernen, und was die Heirat anbeträfe, so wolle er, da er Geld genug habe, nicht eine Prinzessin heiraten, sondern eine schöne Frau, die ihm gefalle.

Nun gut, der Bursche zog also los, und er ging weiter und immer weiter und durchwanderte die ganze Welt, und die schönste Frau, die er fand, war eine Waise, die lebte mit ihrer Tante zusammen, und beide waren sehr arm. Er hielt um ihre Hand an, und obwohl er ihnen nicht sagte, was er war, willigte sie in die Heirat ein, denn er war ein hübscher Bursche, und sie sahen, dass es ihm an nichts fehlte. Und er heiratete das junge Mädchen. Und sie lebten eine Zeit lang glücklich zusammen. Da es ihm niemals an Geld fehlte, so fehlte es auch nicht an Leuten, die herausbekommen wollten, woher es kam, denn man sah ihn niemals arbeiten. Er sagte immer, er habe seine Güter anderswo und bekäme von dort die Einkünfte. Die Bekannten gaben sich damit zufrieden; aber die Tante der jungen Frau, die sehr habsüchtig war und niemals jemanden mit Geld kommen sah, versuchte mit allen Mitteln zu erfahren, woher er es bekomme, und da es ihr nicht gelang, beauftragte sie ihre Nichte damit.

Die junge Frau, die sehr neugierig war, fragte ihn danach; er versuchte sich herauszureden, doch drang sie mit Bitten so sehr in ihn, dass er ihr schließlich die Geschichte mit dem Vogel erzählte und sagte, dass er jeden Morgen unter seinem Kopfkissen eine Börse mit Gold finde, wodurch sie immer das hätten, was sie zum Leben brauchten; doch beschwöre er sie, es niemanden zu erzählen, denn das könne ihnen nur zum Schaden gereichen.

Die Frau versprach es, doch kaum war der Mann fort gegangen, lief sie zu ihrer Tante und erzählte ihr alles; die gab ihr ein Pulver und sagte, sie solle es ihrem Mann in den Wein schütten, dann würden sie herausbekommen, ob das alles wahr sei. Und so geschah es. Als er zum Essen kam, schüttete die Frau das Pulver in den Wein, ohne dass er es bemerkte, und er trank ihn ohne Argwohn aus.

Bald danach überkam ihn eine große Müdigkeit, und er wollte sich niederlegen; doch bevor er ins Bett ging, wurde ihm so schlecht, dass er alles ausbrach, was er im Magen hatte. Dann legte er sich schlafen. Indessen machte sich die habsüchtige Alte daran und durchstöberte, was er ausgebrochen hatte, und als sie das Herz des Vogels fand, wusch sie es und schluckte es ganz hinunter.

Als er nun am nächsten Morgen aufstand und unter dem Kopfkissen nachsah, fand er nichts. Er fragte seine Frau, ob sie die Börse weggenommen habe, doch sie antwortete: »Nein.« Und da er an den folgenden Tagen auch nichts vorfand, begann er misstrauisch zu werden und schalt mit seiner Frau. Da mischte sich die Tante in den Streit und warf ihn wie ein Stück Dreck hinaus und erklärte, das sei ihr Haus und ihm gehöre nichts davon. »Altes Weib!« sprach er bei sich. »Wenn du mich auf die Straße wirfst, so tust du es nicht, weil du mir die Börse weggenommen hast, denn dann würdest du keine weiteren bekommen, sondern weil meine Frau, die das vom Herzen weiß, es dir gesagt hat und du etwas angestellt hast, um es zu bekommen.«

Er fragte die Magd, und die erzählte ihm, dass er an dem Tag, an dem ihm schlecht geworden war, gebrochen habe und dass die Alte nicht gewollt habe, dass jemand anderes als sie selbst es sauber machte. Da wusste er, was geschehen war, und er sagte: »Aha, was ich vermutet habe: Da hat diese verflixte Tante es doch so weit gebracht, dass ich das Herz ausspucken musste. Sie hat es hinuntergeschluckt, und es ist sicher, dass sie jetzt immer die Börse hat; deswegen werfen sie mich nun auf die Straße. Doch habt keine Angst, ihr werdet nicht zuletzt lachen.« Da ging der Bursche hinaus und ging weiter und immer weiter ohne ein bestimmtes Ziel.

Er kam an eine Quelle, trank daraus, setzte sich dort nieder, um ein wenig auszuruhen, und da er Hunger bekam und keinen Bissen bei sich hatte, sah er sich nach etwas zu essen um. Er bemerkte einen Feigenbaum, der hatte einige sehr schöne Früchte, und da, wenn man kein Brot hat, Torten gut sind, kletterte er schnurstracks auf den Feigenbaum, pflückte eine Feige ab und aß sie auf; doch kaum hatte er sie gegessen, da verwandelte er sich in einen Esel. Und als er sich so sah, war er ganz verzweifelt, dass er auf den Baum gestiegen war, und es war ihm so schrecklich zumute, dass er sich auf den Boden warf und nicht wusste, was er nun beginnen sollte. Obwohl seine Gestalt verändert war, quälte ihn der Hunger noch weiter. Da stand er auf und begann. Gras zu fressen, und nach kurzer Zeit sah er, dass er seine ursprüngliche Gestalt wiedererlangte. »Kein Übel ist so groß, dass nicht doch noch etwas Gutes daraus erwächst«, sprach er bei sich, »dank dieser Verwandlungen, die mich in so große Schrecken versetzt haben, sollen mir die Feigen jetzt als Rache dienen.«

Da pflückte er drei der schönsten Feigen, die an dem Baum waren, und ging damit ins Dorf.

Er machte jemanden ausfindig, den er beauftragte, in sein Haus zu gehen und dort die Feigen zu verkaufen. Als die Tante die wunderschönen Feigen sah, gab sie, was man dafür verlangte, schenkte eine ihrer Nichte, die andere der Magd und aß selber die dritte auf. Nach kurzer Zeit kam der Bursche in das Haus und sah alle drei in Esel verwandelt; er schloss sie in den Stall ein und gab Acht, dass dort kein Gras war. Dann lud er den Bader ein, am nächsten Tag mit ihm auf die Jagd zu gehen. Der Bader nahm die Einladung an, und am nächsten Morgen, nachdem er den Eselinnen das Geschirr und jeder einen Maulkorb angelegt hatte, damit sie draußen kein Gras fressen könnten, ließ er den Bader auf die Magd steigen und belud die Tante mit der ganzen Jagdausrüstung. Dann zogen sie aus dem Dorf.

Da die Tante schon alt war und außer der Last auch noch ihn selbst zu tragen hatte, konnte sie nicht recht gehen, doch mit einem derben Knüppel, den er sich zurechtgemacht hatte, haute er auf sie los, dass ihr die Knochen im Leibe krachten; da raffte sich die Alte noch einmal auf, und sie erreichten den Jagdort; aber als sie dort ankamen, war sie schon halb tot vor Anstrengung, und da sie Durst hatte, führte er sie an eine Quelle; da nahm sie einen solchen Riesenschluck, dass ihr übel wurde und sie alles, was sie im Magen hatte, ausbrechen musste. Danach konnte sie sich nicht mehr auf den Beinen halten und fiel nieder.

Er suchte unter dem, was sie ausgespuckt hatte, und fand das Herz; er nahm es auf, wusch es gut ab und schluckte es hinunter und sagte: »Wir wollen sehen, ob die es mir je wieder wegnimmt.« Und während der Bader jagte, nahm er den Eselinnen die Maulkörbe ab, damit sie Gras fressen konnten und ihre ursprüngliche Gestalt wiedererlangten; dann ging er weg und ließ sie allein, und bis heute hat man nichts mehr von ihm erfahren. Als der Bader von der Jagd kam, fand er weder den Nachbarn noch die Eselinnen und musste zu Fuß nach Hause zurückgehen. Als er im Dorf ankam, ging er zu seinem Jagdfreund, wo er hörte, dass die Alte im Sterben lag. Da erzählte die Magd ihm alles, was geschehen war, doch hütete sie sich zu sagen, dass sie die Eselin gewesen, auf der er zur Jagd geritten war.

Und was nun den Sohn des Goldschmiedes angeht, so zog er an den Hof seines Bruders, an den er auch seinen Vater rufen ließ; dort blieben sie zusammen in Liebe, einträchtig und froh ihr Leben lang.

Der Diamantenvogel – Märchen Spanien 

Der Diamantenvogel

Der Diamantenvogel - Märchen Spanien - Nun, es waren also einmal zwei Freunde, die waren Goldschmiede und sehr reich. Aber einer von ihnen hatte Unglück und verlor sein ganzes Vermögen. Daher wandte er sich an den anderen um Hilfe, doch der war geizig und sagte ihm, er könne ihm nichts geben, denn er habe zwei Söhne und brauche das Wenige, was er habe, für sie. 

URL: https://aventin.de/der-diamantenvogel-maerchen-spanien/

Autor: Spanien Märchen

Bewertung des Redakteurs:
4
  • Myllow

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

sieben + zwanzig =