Meersalz

Meersalz · Europa Sage · Wie das Salz ins Meer gekommen ist

Es war einmal ein lieber, wackerer Junge, der hatte nichts weiter auf Erden als eine blinde Großmutter und ein helles Gewissen.

Nachdem er aus der Schule gekommen war, wurde er Schiffsjunge und sollte auch gleich seine erste Reise antreten. Da sah er, wie alle seine neuen Kameraden bereits Geld hatten, und er hatte nichts, auch nicht die kleinste Münze.

Darüber war er sehr traurig und klagte es seiner Großmutter. Diese besann sich ein Weilchen, dann humpelte sie in ihre Kammer, holte eine kleine alte Mühle hervor und schenkte sie dem Knaben.

Sodann sprach sie zu ihm: »Wenn du zu dieser Mühle sagst: Mühle, Mühle, mahle mir rote Dukaten gleich allhier – so mahlt sie dir lauter rote Dukaten, soviel du begehrst. Und wenn du sprichst: Mühle, Mühle, stehe still, weil ich nichts mehr haben will, so hört sie auf zu mahlen. So kannst du dir alle Dinge, die du dir im Leben wünscht, von der Mühle mahlen lassen. Sag aber nichts davon weiter, sonst wird es ein Unglück geben.«

Der Junge bedankte sich sehr herzlich bei der Großmutter, nahm Abschied und ging mit der Mühle im Gepäck aufs Schiff. Als dann die Kameraden wieder mit ihrem Geld prahlten, stellte er sich mit seiner Mühle in einen abgelegenen Winkel und sprach: »Mühle, Mühle, mahle mir rote Dukaten gleich allhier!«

Da mahlte die Mühle lauter rote Dukaten, die fielen klingend in seine Mütze. Und als die Mütze voll war, sprach er nur: »Mühle, Mühle, stehe still, weil ich nichts mehr haben will!« Da hörte sie auch gleich auf zu mahlen.

Nun war er von allen Kameraden der reichste. Und wenn es ihnen auch an Speise fehlte, wie es so manchmal geschah, da der Schiffshauptmann sehr geizig war, sprach er nur: »Mühle, Mühle, mahle mir frische Semmeln gleich allhier!« so mahlte sie so lange, bis er das andere Sprüchlein aufsagte. Und was er auch sonst noch begehrte, alles mahlte die kleine Mühle.

Nun fragten ihn die Kameraden oft, woher er denn die schönen Sachen her bekäme; doch er antwortete immer nur, er dürfe es nicht sagen. Da drängten sie auch nicht weiter auf ihn ein, zumal er alles ehrlich mit ihnen teilte.

Aber es dauerte nicht lange, da bekam der böse Schiffshauptmann Wind davon, und eines Abends rief er den Schiffsjungen in seine Kajüte und sprach: »Hole sofort deine Mühle her und mahle mir frische Hühner!«

Der Knabe ging und brachte einen Korb frischer Hühner mit. Damit jedoch war der gottlose Mensch nicht zufrieden. Er schlug so lange auf den armen Jungen ein, bis dieser ihm die Mühle brachte und zu ihm sagte, was er sprechen müsse, dass sie mahlen solle.

Den anderen Spruch aber, den man sagen musste, damit sie wieder aufhören würde zu mahlen, sagte er ihm nicht. Der Schiffshauptmann dachte auch gar nicht daran, ihn danach zu fragen.

Als der Junge dann ganz traurig allein auf dem Verdeck stand, kam auf einmal der Hauptmann zu ihm gelaufen und stieß ihn ins Meer. Dieser dachte nicht im Geringsten daran, welches Verbrechen er da begangen hatte. Nur die Mühle, so schien es, war ihm wichtig gewesen zu erhalten.

Als der Hauptmann dann wieder in seine Kajüte gegangen war, fehlte ihm zum Abendessen etwas Salz. Da sagte er zur kleinen Mühle: »Mühle, Mühle, mahle mir weiße Salzkörner gleich allhier!«

Da mahlte die Mühle lauter weiße Salzkörner. Als der Salz-Topf voll war, sprach der Schiffshauptmann: »Nun aber ist’s genug!« Doch die Mühle mahlte weiter, und er mochte sagen, was er wollte, sie mahlte immerzu weiter, bis die ganze Kajüte bereits halb voll von Salz war.

Da griff er nach der Mühle, um sie über Bord zu werfen, aber er erhielt dabei einen solch mächtigen Schlag, dass er betäubt zu Boden fiel. Und die Mühle mahlte immerzu weiter, bis das ganze Schiff schon fast voll war und bereits drohte zu sinken. Nie hat es eine größere Not auf dem Schiff gegeben.

Zuletzt erwachte der Schiffshauptmann noch, er fasste sein Schwert und hieb die Mühle in lauter kleine Stücke. Aber siehe da, aus jedem kleinen Stück wurde wieder eine Mühle, gerade so wie die alte es gewesen war, und alle Mühlen mahlten weiter lauter weiße Salzkörner.

Schließlich war’s um das Schiff geschehen. Es sank mit Mann und Maus und all den kleinen Mühlen und ging unter. Und die Mühlen mahlten am Meeresgrund weiter — immerzu weiter — lauter weiße Salzkörner.

Und auch wenn du ihnen noch den rechten Spruch zugerufen hättest, sie liegen so tief am Meeresboden, dass sie ihn nie gehört hätten.

Davon, so berichtet die Sage, ist das Meerwasser so salzig geworden.

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Wikipedia: Meersalz ist aus Salzwasser in Salzgärten oder durch andere Verfahren gewonnenes Salz. Entgegen seinem Namen wird Meersalz nicht immer aus Meerwasser abgeschieden, sondern kann auch dem Wasser von Salzseen, d. h. natürlich salzigen Binnengewässern, entstammen.

Im Meersalz sind neben Natriumchlorid noch Spuren von anderen Stoffen enthalten, unter anderem Salze von Kalium, Magnesium und Mangan.

Steinsalz ist nichts anderes als Meersalz, das vor Millionen von Jahren durch die natürliche Verdunstung und die daraus resultierende Aufkonzentration des Meerwassers ganzer Binnenmeere oder abgeschnürter Meeresarme entstand.

Seemannsgarn ist eine Metapher für Erzählungen tatsächlicher oder vermeintlicher Erlebnisse in der Seefahrt.

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Autor: Europa Sage

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