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Das hölzerne Pferd

Das hölzerne Pferd ~ Trojanischer Krieg ~ Griechische Sage ~ Odyssee

Seit Achilleus gefallen war, schwand den Griechen fast alle Hoffnung, die feindliche Stadt jemals zu bezwingen. Auch den lanzengewaltigen Ajax mussten sie betrauern, der sich, von Pallas Athene mit Wahnsinn geschlagen, selber das Leben nahm.

In den Reihen der Troer hatte Paris im Kampf den Tod gefunden, doch neue Kämpfer erstanden: An Achilleus Stelle trat sein junger Sohn Neoptolemos, und auf Seiten der Verteidiger tat sich der göttliche Äneas immer strahlender durch seine Heldentaten hervor.

Noch war kein Ende des Krieges abzusehen. Tapfer schlugen die Troer von ihren hohen Mauern aus jeden Angriff zurück.

Da gab Kalchas, der Seher, den Griechen den Rat, klug zu sein wie der Sperber, der die Taube fängt, und so folgten sie dem Plan, den Odysseus, der listenreiche Sohn des Laërtes, ersonnen hatte: sie erbauten ein kunstvolles, riesiges Pferd aus Fichtenholz und ließen die tapfersten Helden sich darin verbergen.

Die anderen Krieger brachen die Zelte ab, als ob sie zur Heimfahrt rüsteten, und segelten davon. Zurück blieb nur das hölzerne Pferd, das groß und einsam vor der Mauer Trojas stand. Doch als die Flotte außer Sicht der Trojaner war, wandten die Griechen den Bug nach Süden und gingen im Schutz der kleinen Insel Tenedos vor Anker.

Von der Höhe ihrer Zinnen waren die Troer mit ungläubigem Staunen dem Aufbruch der Feinde gefolgt. Bedeutete er wirklich das Ende des unseligen Krieges? Voll Freuden strömten sie zur Stadt hinaus. Kein Grieche zeigte sich mehr ringsum. Sie schritten über den Platz, wo das Schiffslager der Feinde gestanden hatte, das zu erobern ihnen nie vergönnt gewesen war. Doch was bedeutete das riesige Pferd, das sich schreckenerregend auf dem Platze erhob?

»Schafft es in die Stadt und stellt es als Siegesdenkmal auf der Burg auf!« riefen die einen. »Wagt euch nicht an das unheimliche Geschenk der Achaier!« warnten die anderen. Sie hielten es für das beste, das hölzerne Pferd zu verbrennen oder ins Meer zu werfen. Während man unschlüssig hin und her stritt, trat Laokoon, der Priester Apollons, mitten unter das gaffende Volk.

»Welcher Wahnsinn treibt euch, Mitbürger?« rief er laut. »Glaubt ihr denn wirklich, die Griechen seien auf und davon und ihre Gabe sei ehrlich gemeint? Kennt ihr den listenreichen Odysseus nicht besser? Was es auch sein mag, traut den Griechen nicht und nicht dem trügerischen Geschenk!« Damit entriss er einem Krieger die Lanze und schleuderte sie wuchtig gegen den Bauch des Tieres. Zitternd blieb der Speer im Holz haften, und aus der Tiefe ertönte ein Widerhall – wie von Waffengeklirr!

Aber die Trojaner beachteten die deutliche Warnung nicht! In diesem Augenblick brachten Hirten einen Griechen herbei, den sie im Schilf des Skamandros aufgestöbert hatten, und schleppten ihn vor König Priamos. Flehend und unter Schluchzen streckte der Jüngling, der sich Sinon nannte, die Hände zum Himmel: »Weh mir, wohin soll ich Unglücklicher mich wenden? Die Griechen haben mich ausgestoßen, und die Trojaner werden mich erschlagen!«

Teilnehmend fragte man ihn nach seinem Schicksal und hörte aus seinem Mund, dass die Griechen beschlossen hätten, ihn zu opfern, um sich eine glückliche Heimkehr zu sichern; doch es sei ihm gelungen, sich aus den Fesseln zu lösen und zu entfliehen. »In mein Vaterland und zu meinen Landsleuten kann ich nicht zurück«, schloss Sinon, »und von eurer Großmut hängt es ab, ob ich mein Leben verwirkt habe!«

Priamos sprach dem Griechen Trost zu. »Wir werden dir Gastfreundschaft und Asyl gewähren« sagte er milde, »wenn du uns das Geheimnis des hölzernen Pferdes offenbarst.« Niemand ahnte, dass Sinons Erzählungen und Beteuerungen ein feingesponnenes Lügengewebe waren, mit dem er die Troer zu ihrem Verderben zu umstricken gedachte. Er scheute sich nicht, die Götter zu Zeugen anzurufen, dass es sich um ein Weihgeschenk für die Göttin Athene handele, mit dem die Griechen den Zorn ihrer Schutzgöttin versöhnen wollten.

»Seht die gewaltige Höhe des Tieres«, sagte Sinon, »sie soll euch Troer hindern, es durch die Tore in die Stadt zu schaffen, weil euch die Göttin alsdann ihren Schutz zuteil werden ließe. Doch wenn ihr dem Pferd Gewalt antut, so wird die Rache der Göttin eurer Stadt schreckliches Verderben bringen!«

So glaubhaft wusste der schlaue Grieche seine Worte zu setzen, dass niemand zögerte, ihm Vertrauen zu schenken. Am Ende nahmen die Götter, die Trojas Untergang beschlossen hatten, auch dem letzten Ungläubigen allen Zweifel mit folgendem Ereignis.

Von der Insel Tenedos her kamen in gewaltigen Windungen zwei Schlangen, die pfeilschnell dem Ufer zustrebten. Ihr Ziel war der Uferaltar des Poseidon, wo Laokoon mit seinen beiden Söhnen beim Opfer beschäftigt war.

Die Schlangen schossen auf die Knaben zu, wickelten sich um ihre Glieder und schlugen die Giftzähne in ihr Fleisch. Als der Vater, das Schwert in der Hand, den Söhnen zu Hilfe eilte, ergriffen die Schlangen auch ihn und ringelten sich um seinen Leib, so dass er wehrlos ersticken musste.

Schreckensbleich sahen die Trojaner die Schlangen in Pallas Athenes Tempel verschwinden. Jetzt bestand für sie kein Zweifel mehr, wie sie mit dem Pferd zu verfahren hätten. Sie rissen die Stadtmauer ein, setzten das mächtige Tier auf Rollen und zogen es im Triumph in die Stadt.

Da gab es ein Freudenfest, wie noch niemand es erlebt hatte. Überall gaben sich die Einwohner bei Schmaus und Gelage dem Jubel hin, überall erklangen Gesang und Saitenspiel, und als es auf Mitternacht ging, waren die Trojaner, von der unendlichen Freude und vom Wein berauscht, in tiefen Schlaf gesunken.

Nur die Seherin Kassandra, des Priamos Tochter, hatte an dem Jubel nicht Anteil. Ruhelos irrte sie durch die Gassen und verkündete drohendes Verderben. Vergeblich, niemand hörte und achtete im Freudentaumel auf ihre warnende Stimme!

Das hölzerne Pferd ~ Trojanischer Krieg ~ Griechische Sage ~ Odyssee

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Das hölzerne Pferd ~ Trojanischer Krieg ~ Griechische Sage ~ Odyssee - Seit Achilleus gefallen war, schwand den Griechen fast alle Hoffnung, die feindliche Stadt jemals zu bezwingen. Auch den lanzengewaltigen Ajax mussten sie betrauern, der sich, von Pallas Athene mit Wahnsinn geschlagen, selber das Leben nahm.

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Autor: Griechische Sage

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