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Formen der Maskerade

Formen der Maskerade R.M.F  Alltagspsychologie

Versuchen wir nun, nachdem wir die seelischen Wurzeln der Maskierung ein wenig bloß gelegt haben, einen kurzen Überblick über die wichtigsten Formen der Maskerade und einen ebenso kurzen Ausblick auf die Bedeutung, die sie im Leben haben.

Wir beginnen mit dem mimisch-physiognomischen Ausdruck, der, vom ICH aus gesehen, die nächstliegende, wenn auch keineswegs die leichteste Form der Maskerade ist.

Diese setzt, wie wir schon bei der Psychologie der Verstellung und Schauspielkunst sahen, voraus, dass sie etwas mehr ist als bloß Maskerade, dass das ICH, um gut zu scheinen, was es nicht ist, doch innerlich ein wenig das wird, was es scheinen möchte.

Eine Maske dieser Gattung, die wir alle unablässig zu tragen pflegen, ist die der konventionellen Höflichkeit, eine Nutzmaske, die jedoch häufig zu rein ästhetischem Spiel wird.

Wir zeigen solche Höflichkeitsakte auch Menschen, die wir innerlich verachten, ja wir sind oft am höflichsten vor unseren Feinden. Wir machen strenge Mienen, wo wir auf Kinder erzieherisch wirken wollen, obwohl wir innerlich über ihre Streiche lachen.

Die Kokette lächelt Männer an, die ihr gleichgültig sind, sie tut spröde, wo sie begehrt. Man tritt laut und stolz auf, um Ängstlichkeit zu verbergen; man verbirgt seinen Stolz, um anderen zu gefallen. Alles mimische Masken!

Bequemer sind die symbolischen Masken, die man vornehmen kann, ohne sich seelisch umzustellen. Besonders die Kleidung bietet bequeme Möglichkeiten für einen Ausdruck, für den die inneren Voraussetzungen fehlen.

Wir legen Trauer an, wenn wir zum Begräbnis eines Feindes gehen; wir tragen im Festgewand Freude und Heiterkeit zur Schau, auch wenn uns innerlich sehr trübe zumute ist. Wir hüllen uns in Schafspelze, um zu verbergen, dass wir als reißende Wölfe kommen.

Auch die Sprache bietet reiche Maskierungsmöglichkeiten. Wir zitierten bereits einen berühmten Diplomaten, der da meinte, die Sprache sei dem Menschen gegeben, um seine Gedanken zu verbergen; aber Diplomaten in diesem Sinn sind wir alle an jedem Tag, müssen es auch sein, weil ein geselliges Leben nur so möglich ist.

Würde sich jemand eines Morgens vornehmen, seinem Nächsten nichts als die reinste Wahrheit zu sagen, so wäre er am selben Abend vermutlich Gegenstand unzähliger Beleidigungsklagen, zum Duell gefordert oder könnte, wie Molières „Menschenfeind“, in die Einsamkeit gehen.

Man sieht, alle Ausdrucksformen, die wir früher kennen gelernt, kehren auch als Masken wieder. Und wir brauchen diese Masken, damit gesellschaftliches Leben möglich ist.

Jede Gesellschaft verlangt Zurückdrängung des individuellen Selbst, sei sie auch nur scheinbar, weil nur so Gemeinschaft möglich ist. Wenn stark individualistische Menschen über die Nivellierung in der Gesellschaft klagen, so verkennen sie die innere Notwendigkeit dieses Ausgleichs.

Zwischen lauter ausgesprochenen Individualitäten ist eine Gesellschaft sowenig möglich, als etwa ein aus lauter berühmten Virtuosen zusammengesetztes Orchester, die beste Symphonien spielt!

Im übrigen verlangt ja die Gesellschaft gar nicht das Opfer der Individualität, sie tut’s billiger, sie ist mit der Maske der Angleichung zufrieden, die eine Lüge nur für den ist, der sich dagegen sträubt.

Je feiner die Gesellschaft ist, um so mehr hat sie vom bewussten Schauspiel, da sie ja auch nicht Lüge ist; die Geselligkeit des Salons steht wie die Bühne jenseits von wahr und falsch, sie ist ästhetisches Spiel, was sich auch darin äußert, dass man nicht Natur darin anstrebt, sondern sich aller Requisiten der Bühne: der Schminke, des Puders und vieler Kleiderkünste, die im Alltag lächerlich wären, ungestraft bedient.

Als Maskerade wirkt der elegante Gesellschaftsanzug nur bei dem, der sich innerlich dagegen auflehnt. Bei den meisten Menschen hat jede Maskerade die Macht, sie auch innerlich umzustellen, das ICH der Maske anzugleichen, und gerade darin beruht der Reiz und die Bedeutung der Maske.

Jede Maske ist noch etwas mehr als Maske, sie ist stets auch Ausdruck, wenn auch Ausdruck mit geändertem Vorzeichen.

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Autor: R.M.F

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