Das schwarze Schaf

Das schwarze Schaf – James Krüss – Diskriminierung

Es war einmal ein schwarzes Schaf, das hatte weiße Brüder.
Es kaute friedlich, stumm und brav das Gras der Wiese wieder.
Doch spottete die Bruderschar, weil es so schwarz wie Kohle war.
Dann fielen Tränen, groß und schwer, ins Gras der Wiese nieder.
Tagtäglich grämte es sich mehr bei dem Gespött der Brüder.
Es ist schwer, so ganz allein ein armes, schwarzes Schaf zu sein.

Nun kam einmal ein Wolf daher, der heulte angsterregend.
Neun weiße Schafe blökten sehr und flohen in die Gegend.
Neun Schafe flohen von den zehn.

Das schwarze nur blieb traurig stehn.
Zum Wolf schlich das schwarze Tier mit tiefgebeugtem Nacken.
Komm, her, Herr Wolf! Ich warte hier. Du darfst mich ruhig packen.
Beende meinen Lebenslauf, und friss mich bitte auf!

Der Wolf begann sich auf der Stell die Lippen abzuschlecken.
Jedoch das Fell, das schwarze Fell, erfüllt den Wolf mit Schrecken.
Er steht. Er lugt. Ein Sprung. Ein Blick.
Der Wolf flieht in den Wald zurück.

Zwei Tage galt das schwarze Schaf als Held für seine Brüder.
Doch als der dritte Tag begann, da fing das Spotten wieder an.
Vergessen war der Wolf im Wald, vergessen die Gefahren.
Man lacht, man schreit, es klingt, es schallt:
Du Biest mit deinen schwarzen Haaren!
Das schwarze Schaf kaut grünes Gras
und denkt sich traurig dies und das.

Das schwarze Schaf – James Krüss – Diskriminierung

Das schwarze Schaf
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Das schwarze Schaf - James Krüss - Diskriminierung - Es war einmal ein schwarzes Schaf, das hatte weiße Brüder. Es kaute friedlich, stumm und brav das Gras der Wiese wieder. Doch spottete die Bruderschar, weil es so schwarz wie Kohle war.

URL: https://aventin.de/das-schwarze-schaf/

Autor: James Krüss

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5

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