Streben nach Wissen – Aristoteles

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Streben nach Wissen – Aristoteles – Essay

Alle Menschen streben von Natur aus nach Wissen. Ein Hinweis darauf ist die Schätzung der Sinneswahrnehmungen. Denn man schätzt sie auch abgesehen von ihrer Nützlichkeit um ihrer selbst willen, und vor allen anderen die durch die Augen vermittelte Wahrnehmung.

Nicht bloß um handeln zu können, sondern auch ohne die Absicht zu handeln, ziehen wir das Sehen sozusagen allem anderen vor. Der Grund ist, dass diese Sinneswahrnehmung uns am meisten Kenntnisse vermittelt und viele Eigentümlichkeiten der Dinge offenbart.

Die Lebewesen sind von Natur mit der Sinneswahrnehmung begabt. Aus ihr bildet sich bei den einen Erinnerung, bei den anderen dagegen nicht. Darum sind jene Lebewesen verständiger und gelehriger als die anderen, die sich nicht zu erinnern vermögen.

Verständig ohne zu lernen sind alle diejenigen, die keine Töne wahrnahmen können, wie etwa die Bienen und wenn es noch andere derartige Tiergattungen gibt. Besonders lernfähig sind diejenigen, die zu der Erinnerung hinzu auch noch das Sinnesorgan des Hörens besitzen.

Die anderen Lebewesen leben mit Hilfe der Vorstellungskraft und des Gedächtnisses, an Erfahrung besitzen sie jedoch nur wenig. Das Menschengeschlecht hingegen besitzt auch noch die Kunst und die Überlegung.

Bei den Menschen entsteht aus der Erinnerung die Erfahrung. Denn eine Vielheit von Erinnerungen an eine und dieselbe Sache erhält schließlich das Gewicht einer bestimmten Erfahrung. Es scheint auch die Erfahrung der Wissenschaft und Kunst ziemlich ähnlich zu sein, und für die Menschen ergibt sich Wissenschaft und Kunst eben aus den Erfahrungen.

Die Erfahrung erzeugt Kunst, wie Polos sagt, die Unerfahrenheit hingegen Glück oder Unglück.

Kunst entsteht, wenn aus vielen Einsichten der Erfahrung eine einzige allgemein gültige Erkenntnis von gleichartigen Dingen entspringt. Denn zu wissen, dass dem Kallias in dieser oder jener Krankheit dieses bestimmte Heilmittel geholfen hat und dem Sokrates desgleichen und so der Reihe nach vielen Einzelnen, dies ist dies eine Sache der Erfahrung.

Doch zu erkennen, dass allen, die als Gruppe von bestimmter Art abgrenzbar sind, in einer bestimmten Krankheit ein bestimmtes Heilmittel hilft, das ist Sache der Kunst.

Streben nach Wissen – Aristoteles – Essay

Streben nach Wissen
Aristoteles Menschen und das Streben nach Wissen 1

Streben nach Wissen - Aristoteles - Essay - Alle Menschen streben von Natur aus nach Wissen. Ein Hinweis darauf ist die Schätzung der Sinneswahrnehmungen. Denn man schätzt sie auch abgesehen von ihrer Nützlichkeit um ihrer selbst willen, und vor allen anderen die durch die Augen vermittelte Wahrnehmung.

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Autor: Aristoteles

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