Jagd auf den Hirsch

Jagd auf den Hirsch · Theodor Etzel · Fabel Hochmut und Stolz

Eine kleine Mücke flog auf einen ruhig äsenden Hirsch zu, als dieser plötzlich erschreckt den Kopf hob und in hastiger Flucht davoneilte.

»Wie er sich vor mir fürchtet!« rief die Mücke triumphierend und summte ihm nach, so schnell sie konnte. »Seht doch nur, wie der große Hirsch vor mir flieht!«

Und so eifrig gab sie sich der Verfolgung hin, dass sie gar nicht bemerkte, wie hinter ihr ein Löwe auf der Fährte des flüchtenden Tieres daherjagte.

Durch Feld und Wald ging die wilde Jagd, bis der Hirsch im dornigen Dickicht wund zusammenbrach. Jubelnd ließ sich die Mücke auf der Stirn des stöhnenden Tieres nieder.

Da sprang auch der Löwe heran und warf sich auf den erjagten Hirsch.

»Diese Beute hast du mir zu verdanken!« rief ihm die Mücke stolz entgegen.

Der Löwe würdigte sie aber keines Blickes.

»Die Großen kennen einfach keinen Dank!« sagte die Mücke gekränkt zu sich selbst und nahm sich fest vor, nie mehr einen Hirsch zu jagen.

Lehre: Niemand, und sei er noch so groß oder klein, ist vor Hochmut und Selbstüberschätzung gefeit.

Jagd auf den Hirsch · Theodor Etzel · Fabel Hochmut und Stolz

Jagd auf den Hirsch · AVENTIN Storys

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Autor: Theodor Etzel

Bewertung des Redakteurs:
4

Aus dem Bewusstsein, gut angezogen zu sein, empfängt manch ein Mensch mehr innere Ruhe als aus religiösen Überzeugungen.

Ralph Waldo Emerson