Frieden und Gewalt · Hermann Hesse

Frieden und Gewalt · Hermann Hesse · Gut und Böse · Glück

Jeder Mensch ist etwas Persönliches und Einmaliges, jetzt aber an die Stelle des persönlichen Gewissens ein kollektives setzen zu wollen, das ist schon Vergewaltigung und der erste Schritt zum Totalitären.

Je mehr Einzelne aber da sind, welche dem Welttheater mit Ruhe und Kritik entgegen treten, desto geringer ist die Gefahr einer große Massendummheit, wie die der Kriege.

Gewalt ist das Böse, und die Gewaltlosigkeit der einzige Weg derer, die wach geworden sind. Dieser Weg aber wird niemals der aller Menschen sein, und niemals auch der der Regierenden und derer, die die Weltgeschichte machen und glauben Kriege führen zu müssen.

Besser ist es, Unrecht zu erleiden als Unrecht zu tun. Falsch ist es auf jeden Fall, mit verbotenen Mitteln und Zwang das Erwünschte verwirklichen zu wollen.

Wir alle haben teil am Bösen und an den Kriegen in der Welt. Und sooft wir diese unsere Zugehörigkeit erlebend erkennen, sooft wir uns ihrer schämen, sooft wird uns auch deutlich, dass die Regenten der Welt keine Teufel, sondern auch nur Menschen sind, dass sie das Böse nicht aus Bosheit tun oder zulassen, sondern dass sie nur in einer Art von Blindheit und Unschuld handeln.

Es ist generell nicht nur der Völkerkrieg mit Waffen, dessen Grauen und dessen Unsinn mir klar geworden sind, es ist jeglicher Krieg. Es ist jegliche Art von Gewalt und streitbarem Eigennutz, es ist jede Art von Geringschätzung des Lebens und Missbrauch des Mitmenschen, das abzulehnen ist.

Auch verstehe ich unter Frieden nicht nur das Militärische und Politische, sondern ich meine damit auch den Frieden jedes Menschen mit sich selbst und mit dem Nachbarn, die Harmonie eines sinnvollen und liebevollen Lebens also.

Trotz aller kriegerischen Missstände auf der Welt spricht dennoch die heitere und schöne Seite der Natur, spricht die heiter und schöne Seite der Menschheitsgeschichte unübertönbar zu uns.

Sie beglücken und trösten uns, mahnen uns und führen uns und wehen ein klein wenig Hoffnung in unser tägliches Dasein, das manchmal so hoffnungslos erscheint.

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Autor: Hermann Hesse

Bewertung des Redakteurs:
5

Allein im Bereich des Bewusstseins ist der Mensch frei, Bewusstsein wiederum ist nur im jeweils gegenwärtigen Augenblick möglich.

Leo Tolstoi