Der Elefant und die Blinden – Parabel

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Der Elefant und die Blinden – Parabel – Nikos Kazantzakis 

Es war einmal ein kleines Dorf am Rand der Wüste. Alle Einwohner dieses Dorfes waren blind. Eines Tages kam dort der König des Landes mit seinem Heer vorbei und der ritt auf einem gewaltigen Elefanten.

Die Blinden hatten viel von Elefanten erzählen gehört und wurden nun von einer heftigen Lust befallen, heranzutreten und den Elefanten des Königs berühren zu dürfen und ihn zu untersuchen, um überhaupt eine Vorstellung davon zu bekommen, was das für ein Ding sei.

Einige von Ihnen, die Gemeinderäte, traten deshalb hervor und verneigten sich vor dem König und baten um die Erlaubnis, seinen Elefanten berühren zu dürfen, was dann auch geschah.

Der eine packte den Elefanten beim Rüssel, der andere am Fuß und ein dritter an der Seite. Einer reckte sich hoch auf und packte das Ohr, und ein anderer wieder durfte sich auf den Rücken des Elefanten setzen.

Entzückt kehrten sie alle wieder ins Dorf zurück, und die anderen Blinden, die zuhause geblieben waren, umringten sie und fragten eifrig, was denn der ungeheuerliche Elefant für ein Wesen sei.

Der erste sagte: “Er ist ein großer Schlauch, der sich hebt und senkt, und es ist ein Jammer um den, den er zu packen kriegt.”

Der zweite sagte: “Es ist eine mit Haut und Haaren bekleidete Säule.”

Der dritte sagte: “Es ist wie eine Festungsmauer und hat auch Haut und Haare”.

Der, der ihn am Ohr gepackt hatte, sagte: “Es ist keineswegs eine Mauer, es ist ein dicker, dicker Teppich, der sich bewegt, wenn man ihn anfasst.”

Und der letzte sagte: “Was redet ihr für Unsinn? Es ist ein gewaltiger Berg, der sich bewegt!”

Der Elefant und die Blinden – Parabel – Nikos Kazantzakis 

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Der Elefant und die Blinden - Parabel - Nikos Kazantzakis - Es war einmal ein kleines Dorf am Rand der Wüste. Alle Einwohner dieses Dorfes waren blind. Eines Tages kam dort der König des Landes mit seinem Heer vorbei und der ritt auf einem gewaltigen Elefanten.

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Autor: Nikos Kazantzakis

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