Pferd und Hirsch · Stesichoros Fabel

Pferd und Hirsch · Stesichoros Fabel · Herren und Knechte

Als die Bürger von Himera den Phalaris zum absoluten Führer erwählt hatten und im Begriff waren, ihm eine Leibgarde beizugeben, erzählte ihnen Stesichoros* folgende Fabel:

Ein Pferd hatte eine Wiese für sich ganz allein. Da kam ein Hirsch und fraß die Weide ab. Das Pferd wollte den Hirsch nun strafen und fragte den Menschen, ob er denn mit ihm zusammen den Hirsch nicht züchtigen könnte.

Der Mensch antwortete: »Wenn du einen Zaum annimmst und mich mit meinen Waffen auf dich aufsteigen lässt? Warum nicht!«

Als das Pferd einwilligte und der Mensch es sodann bestieg, musste das Pferd, statt sich am Hirsch zu rächen, dem Menschen dienstbar sein.

»Darum, so sage ich, gebt acht«, sprach Stesichoros, »dass es euch, während ihr euch an euren Feinden rächen wollt, nicht ebenso ergeht wie dem Pferd.«

»Den Zaum habt ihr ja schon an, da ihr euch einen Generalissimus erwählt habt. Wenn ihr ihm jetzt auch noch eine Leibgarde gebt und ihn damit in den Sattel steigen lasst, werdet ihr nur zu Knechten des Phalaris.«

Nun, dafür gibt es auch deutliche Analogien in heutiger Zeit!

* Stesichoros (Stēsíchoros, auch Tisia; * um 632–629 v. Chr. wahrscheinlich in Himera in Sizilien; † um 556–553 v. Chr. in Catania) war der bedeutendste Vertreter der älteren dorischen Lyrik und zählt zum Kanon der neun Lyriker. Er wurde auch der »lyrische Homer« genannt.

Pferd und Hirsch · Stesichoros Fabel · Herren und Knechte

Pferd und Hirsch

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Autor: Stesichoros

Bewertung des Redakteurs:
4

Die wahre Lebenskunst besteht darin, im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen.

Pearl S. Buck