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Das Leben auf einer Burg

Das Leben auf einer Burg · Mittelalter · Zwinger Bergfried Palas

Wie war früher das Leben auf einer Burg? Der schlimmste Feind war wohl der Winter!

Stellen Sie sich vor, Sie wohnen in einem Turm mit meterdicken Mauern, die die Kälte bis weit in das Frühjahr hinein speichern. Durch die undichten Fenster und Schießscharten pfeift der Höhenwind und Ihre Augen brennen vom Rauch der Feuerstellen.

Viele der stolzen Ritter erklommen nur mit Mühe ihr Schlachtross, weil ihnen das Rheuma in den Knochen steckte. So oder ähnlich war das echte Leben auf den Burgen.

Der schlimmste Feind der Menschen, die auf den Höhenburgen lebten, auf spitzen Hügeln und schroffen Felsnasen, war der Winter. Viele Burgen waren ursprünglich gar nicht zum Wohnen gedacht, es waren reine Verteidigungsanlagen, gebaut zur Überwachung des weiten, nach unseren Begriffen menschenleeren Raumes.

Gleich nach der Eroberung eines Gebietes begann der Bau der Befestigung, die nur von wenigen Reisigen besetzt gehalten und oft im Winter allein gelassen wurden. Für Wärme und Behaglichkeit waren das nicht die rechten Orte.

Richtige Wohnburgen hatten einige beheizbaren Räume, die sogenannten Kemenaten, abgeleitet vom lateinischen ‚caminata‘ für Kamin. Die Kamine, auch die in den Hallen, waren sehr einfach. Von der Kaminhaube an der Wand führt ein Schacht direkt nach oben, so dass die größte Hitze ins Freie abgeführt wurde. So saß man denn eng um den Kamin geschart.

Das Burggesinde allerdings konnte sich nur in der großen Küche etwas erwärmen oder am offenen, rauchigen Feuer bzw. an Glutpfannen. Erst im 12. Jahrhundert kam auch hierzulande der Kachelofen auf. Trotzdem blieb man in den Burgen und sogar später noch in vielen Schlössern beim offenen Kamin. Entweder aus Gewohnheit oder wegen der Optik der lodernden Flamme.

Natürlich hing auch die Anzahl und die Größe der Kamine, wie die Wohnfläche und Ausstattung, vom Stand des Burgherrn ab. Königliche Burgen waren von vornherein besser ausgestattet als die des Landadels, und eine Burg aus dem 11. Jahrhundert sah anders aus als eine aus dem 14. Jahrhundert.

Jedoch zu allen Zeiten und auf allen Burgen waren die Winter eine Qual. Denn in den Wintermonaten wurde es eng auf den Burgen, Mensch und Vieh drängten sich zusammen, und obwohl man damals an Lärm und an Gestank gewöhnt war, war das Leben oft kaum mehr auszuhalten und nur die Hoffnung auf den Frühling hielt die Menschen aufrecht.

Die Burgen entwickelten sich meist aus den römischen Kastellen, und die sogenannten Wasserburgen in der Ebene behielten ja auch weitgehend deren Maß und Form. Anfangs waren nur Mauern und Türme aus Stein, die Wohnungen und Werkstätten dagegen aus Holz, auch auf den schwer zugänglichen Bergkuppen und steilen Abhängen.

Erst im Laufe des 12. Jahrhunderts begann man, sich wohnlicher einzurichten. So eine Burg hatte dicke Mauern mit Brustwehr, innere und äußere Tore und an den Seiten oder Ecken vorspringende Türme. Zwischen der ersten und zweiten Mauer befand sich der »Zwinger« mit Ställen, Viehhof und einem freien Platz für allerlei Übungen und auch Belustigungen.

Über eine Zugbrücke gelangte man in den Torweg zum inneren Zwinger oder gleich zum inneren Burghof. Ihn umgaben der »Bergfried« und der »Palas«, das Hauptgebäude. In den unteren Gewölben befanden sich Küche und Keller und darüber lag der »Rittersaal«. Meist stiegen die Gäste über eine Freitreppe in diesen Fest- und Versammlungsraum.

Der Saalboden, mit Steinplatten belegt, wurde meist durch Binsen oder gar Teppiche fußwarm gehalten. In den reicheren Burgen hingen auch an den Wänden Teppiche oder Stoffbahnen. Auch Tapeten gab es schon. Die anschließenden privaten Gemächer waren die am besten ausgestatteten Räume einer Burg.

Der bereits erwähnte Bergfried war meist ein freistehender Turm ohne Eingang zu ebener Erde. Die oberen Stockwerke des Turms dienten als letzte Zuflucht bei einer Belagerung. Ganz oben hielt sich der Turmwart auf. Der Zugang erfolgte über eine Leiter oder eine leicht abzubrechende Holzbrücke direkt ins erste Stockwerk.

Die Küche befand sich entweder unter dem großen Saal oder in einem extra Küchengebäude, in dem auch das Gesinde schlief. Weiter umgaben den Burghof Vorratsgebäude, ein Gästehaus, die Rüstkammer und eine Stallung für die Pferde des Burgherrn, der bis vor die Haustür ritt. Jede Burg hatte einen Tiefbrunnen, dazu aber auch noch Zisternen für das Regenwasser und viele Kellerräume.

In allen Räumen war es zugig und finster. Es gab zwar große Fenster, doch das Glas war teuer. Also schützte man sich gegen Kälte mit eingepassten Holzplatten in den Fenstern. Wer Licht haben wollte, musste einen Kienspan an der Wand anzünden oder sich mit kleinen Talglämpchen behelfen.

Die Einrichtung war spärlich, getafelt wurde auf Brettergestellen und man saß auf einfachen Holzbänken. Die Wände waren meist bemalt, die Fußböden in den Speisesälen mit Stroh bedeckt, so dass nach einem Gelage einfacher ausgekehrt werden konnte.

In den Kemenaten dienten Truhen zur Aufbewahrung der Kleidung, in die Wandnischen waren Kästen und Schränke eingebaut. Die meisten größeren Burgen hatten gesonderte Badstuben.

Problematisch war und blieb, auch später noch in den Schlössern, die Verrichtung der Notdurft. Der Abtritt befand sich in den alten Burgen entweder auf der Burgmauer oder an der Rückseite der Gebäude. Anfangs war es nur ein Loch im Boden und die Fäkalien plumpsten direkt in den Burggraben oder blieben auf dem Felsen liegen. Später verlegte man den Abtritt in einen Erker und führte die Fäkalien durch einen Schacht, meist aus Holz, in eine Grube, die regelmäßig entleert wurde. Die Aborte hatten keine Tür.

Der Unterhaltung dienten mannigfache Spiele, beliebt war das Würfelspiel, man vergnügte sich aber auch mit Mühle und Schach. Frauen und Kinder waren mehr an Gesellschaftsspielen interessiert, für die Männer aber war das größte Vergnügen die Jagd, so auch die Beize. Dazu kamen in der Ritterzeit noch die Turniere. Getrunken wurde allgemein viel.

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