Apollo und Daphne – Römische Sage

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Apollo und Daphne – Römische Sage – Lorbeer und Liebe –

Einmal geriet der kleine Liebesgott Amor mit dem mächtigen Apollo in Streit darüber, wer der Mächtigere von beiden sei …

Apollo fragte: »Warum trägst du diesen Bogen auf den Schultern, Amor? Diese Waffen sind für mich, einen mächtigen Gott, geeignet, nicht für dich. Ist dir etwa nicht bekannt, mit welch großer Kraft ich den Drachen (Schlange) getötet habe? Weißt du etwa nicht, wie viele Feinde ich mit meinen Geschossen besiegt habe? Lege also deinen Stolz ab! Gestehe mir den Ruhm zu! Ich bin nämlich ein mächtiger Anführer, nicht du, Bub!«

Der kleine Amor schwieg zuerst, dann antwortete er aber: »Obwohl du schon viele mit deinen Geschossen besiegt hast, meine Geschosse werden auch dich bald bezwingen.«

Während Apollo zu lachen begann, eilte Amor zum höchsten Berg und schickte von diesem Platz aus zwei Pfeile: Durch den einen Pfeil ist der Gott Apollo mit einem riesigen Verlangen nach Liebe versehen worden, durch das andere Geschoss wurde bewirkt, dass Daphne von der Liebe keines Mannes bewegt wurde.

Obwohl der Vater von Daphne oft von ihr gefordert hatte, dass sie ihm Enkel schenken solle, hat jene immer gesagt: »Lass mich diese Art und Weise meines Lebens wählen, Vater! Gestehe mir zu, ein freies Leben nach dem Vorbild der Göttin Diana zu führen! Ich will keinen Mann heiraten. Denn du weißt ja selbst, welch glückliches Leben ich bis jetzt mit eigener Kraft geführt habe!«

Einst erblickte nämlich der Gott Apollo Daphne und war sofort von tiefer Liebe zu ihr entflammt. Er trat an sie heran und sagte mit einschmeichelnder Stimme: »Bleib, schönes Mädchen, und höre meine Worte an! Warum fliehst du vor mir? Ich muss dich tadeln, weil du immer wieder entfliehst. Fühlst du etwa nicht, welch große Zuneigung ich zu dir habe?« Aber vergeblich bat Apollo das hartherzige Mädchen. Daphne fuhr fort, dem Gott zu entfliehen. Wie sehr wünschte sich jene, dass sie an irgendeinem Ort verborgen sein könnte.

Apollo jedoch hörte mit seinen Bitten nicht auf: »Hör zu, Mädchen, damit du weißt, vor wem du fliehst! Weder bin ich ein Diener noch ein Mann vom Land. Mein Vater ist Jupiter selbst, der höchste Gott. Ich kenne die Zukunft genau und habe den Menschen Künste und Lieder gegeben. Wer kann mit so großer Kraft Geschosse schießen wie ich? Weißt du etwa nicht, wie oft ich den Menschen bereits zu Hilfe gekommen bin? Ist dir etwa nicht bekannt, wie oft sie mir schon gedankt haben? Mir selbst jedoch kann ich nicht helfen: Ich werde von rücksichtsloser Liebe zu dir gequält. Daher warte bitte!« Aber dem Gott gelang es nicht, das Mädchen zu ergreifen und zurückzuhalten, obwohl er es oft versucht hatte.

Wenig später aber konnte die ermüdete Daphne nicht mehr weiter. Indem sie ihre Hände hilfesuchend zum Himmel streckte, rief sie: »Helft mir, ihr Götter, und verwandelt mich in einen Lorbeerbaum, damit ich nicht von Apollo gefasst werde!« Und sieh da! Das Mädchen fühlte plötzlich, dass ihre Hände in Zweige und ihre Füße in Wurzeln verwandelt wurden.

Apollo berührte sodann kein Mädchen mehr, sondern einen schönen wohlriechenden Baum. Der mächtige Gott sagte zu ihr mit trauriger Stimme: »Es ist mir nicht gelungen, dich zu heiraten. Dennoch werde ich dich nicht verlassen: Ich wünsche, dass mein Haupt für immer mit Lorbeer geschmückt sei.«

Apollo und Daphne – Römische Sage – Lorbeer und Liebe

Apollo und Daphne
Apollo und Daphne Roemische Sage Lorbeer und Liebe 1

Apollo und Daphne - Römische Sage - Lorbeer und Liebe - Einmal geriet der kleine Liebesgott Amor mit dem mächtigen Apollo in Streit darüber, wer der Mächtigere von beiden sei … Apollo fragte: »Warum trägst du diesen Bogen auf den Schultern, Amor? Diese Waffen sind für mich, einen mächtigen Gott, geeignet, nicht für dich. Ist dir etwa nicht bekannt, mit welch großer Kraft ich den Drachen (Schlange) getötet habe?

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Autor: Römische Sage

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