Philosophische Kurzgeschichte

Philosophische Kurzgeschichte · Sinnerfüllung Selbsterhaltung

Es kam der Tag, da sagte das Zündholz zur Kerze: »Ich habe den Auftrag, dich anzuzünden.«

»Oh nein«, erschrak die Kerze, »nur das nicht! Wenn ich brenne, sind meine Tage gezählt. Ich will nicht brennen und mich verzehren!«

Das Zündholz antwortete: »Aber dafür bist du doch geschaffen, deine Bestimmung zu erfüllen und Licht zu geben. Ich erfülle meine Bestimmung ohne Klage ja auch.«

Die Kerze erwiderte: »Das ist eine schöne Bestimmung und was für eine Bescherung, die mich mein Leben kostet. Ich bleibe lieber unverbraucht und lebe so weiter wie bis jetzt.«

Lehre:
Diese kurze Geschichte schildert den Konflikt zwischen Sinnerfüllung und Selbsterhaltung. Die Kerze repräsentiert den Menschen, der seine Bestimmung (Licht zu geben) erfüllen und sich dafür aufopfern soll.

Das Zündholz steht für die äußeren Einflüsse, die den Menschen zu seiner Bestimmung drängen. Die Kerze jedoch zögert, da sie in der Sinn-Erfüllung ihrem Tod entgegen sieht.

Die offene Frage ist nun, ob es besser ist, seine Bestimmung zu erfüllen und dabei zu »verbrennen (leben)«, oder aber »unerfüllt weiter zu existieren.«

Philosophische Kurzgeschichte · Sinnerfüllung und Selbsterhaltung · Story

Philosophische Kurzgeschichte · AVENTIN Storys
kerze neu docht unverbraucht 24

Philosophische Kurzgeschichte · Sinnerfüllung Selbsterhaltung · Es kam der Tag, da sagte das Zündholz zur Kerze: »Ich habe den Auftrag ...

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Autor: N. N.

Bewertung des Redakteurs:
4

Ein bis zum Stolz gehendes Selbstbewusstsein, wenn es recht gelenkt ist, kann ein sicheres Moralprinzip werden.

Berthold Auerbach