August – Gewitter

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August – Gewitter und Sternschnuppen – Herbert Fritsche – Philosophie

Der Monat der Gewitter und der Sternschnuppen-Nächte schließt sich dem Juli an, in dessen Bann wir das Überweltliche erflogen, die Arupa-Welten, die dem Theosophen bekannt sind als diejenigen Zonen hoher Wirklichkeit, die nichts Gestalthaftes, Geteiltes und einem Sondersein Verpflichtetes mehr bergen.

So erhob uns die Hitze des Juli weit fort von der Erde und noch über den Himmel hinaus, während der August Himmel und Erde auf dramatische Weise verbindet mit den Zickzackbändern der Blitze und den leuchtenden Bahnen, die die Meteore am Nachthimmel beschreiben.

Was Leben ist, weiß niemand – am wenigsten der, der es zu wissen vorgibt unter Hinweis auf die chemische Formel des Eiweiß-Moleküls. Aber wir alle sind des Lebens teilhaftig. Was Elektrizität ist, weiß ebenfalls niemand, obwohl unsere Lampen im elektrischen Strom glühen und unser Leib seine eigene Elektrizität in sich birgt.

So kann uns denn auch kein Mensch etwas Befriedigendes über das Wesen des Blitzes sagen und nicht mal der, der uns mit der Redensart vom atmosphärischen Spannungsausgleich zu trösten versucht. Treten die Blitze gar in der Form der seltenen Kugelblitze auf, die ein die üblichen Gesetzmäßigkeiten der Elektrizität eigenwillig überhüpfendes Leben haben, als wären sie ein Kobold oder ein Spuk, so ist das Latein der Zunftgelehrten ohnehin am Ende.

Was die Erde im Januar ganz bei sich selber, zur Johanniszeit aber hingegossen in die Weiten der Sternenwelt mit ihrem ausgehauchten Atem, so zuckt nunmehr, im August, das Feuerwerk der vielen Gewitterblitze, vom Donner umgrollt, zwischen Droben und Drunten hin und her – und zur Nacht, da der Himmel samtdunkel und ausgestirnt ist wie zu keiner anderen Jahreszeit, sausen die Sternschnuppen dahin, um die Schulweisheit von den eisigen leeren Räumen Lügen zu strafen.

August ist der Monat der – ehe der Herbst beginnt – den Astronomen in unserer Seele wachruft. Noch sind die Nächte warm genug für einen Schlaf auf Balkon oder Veranda, im Liegestuhl des Gartens oder ganz einfach draußen unter dem Sternenmantel der großen Mutter.

Niemals ist ein Mensch zu wirklicher Bedeutsamkeit emporgewachsen, ohne dass er den Eros der Ferne in sich gespürt hätte, der den Sternen gilt. Auf der mit funkelndem Zifferblatt ausgestatteten Riesenuhr des Tierkreises bereitet sich eine neue Weltenstunde vor.

Das Bangen und die Atembedrängnis, die jeder Geburt, ganz gleich, ob es sich um die eines Einzelwesens oder um die eines Zeitalters handelt, mit Gesetzmäßigkeit vorangehen, werden uns in den Gewittern des August, die die befruchtende Herabstürzung himmlischen Lichtes, himmlischen Löwengebrülls und himmlischer Fluten ins Irdische sind, und beim Flug der Sternschnuppen durch die Nächte, zu großen Momenten der Befreiung in einem das Wetterleuchten zelebrierenden Monats.

Immer wenn eine Sternschnuppe fällt, dürfen wir uns etwas wünschen, sagt der Aberglaube. Da der Aberglaube von Gestern allzuoft die Wissenschaft von Heute und Morgen gewesen ist, wollen wir auch diesen ein wenig ernstnehmen und einen Wunsch sprungbereit im Herzen halten, auf dass er sich an den blendenden Flug der ersten Sternschnuppe hefte, der wir ansichtig werden:

Kraft der Kosmos, lass die Himmel niemals müde werden, Blitze und Donner, Licht und Wort sowie unermessliche Sternensaat der Erde zuzuwenden, damit sie mehr und mehr begreife, dass auch sie nur ein Stern unter Sternen ist.

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August - Gewitter
Monat August Gewitter Sternschnuppen Herbert Fritsche 1

August - Gewitter und Sternschnuppen - Herbert Fritsche - Philosophie - Jahreslauf - Der Monat der Gewitter und der Sternschnuppen-Nächte schließt sich dem Juli an, in dessen Bann wir das Überweltliche erflogen, die Arupa-Welten, die dem Theosophen bekannt sind als diejenigen Zonen hoher Wirklichkeit, die nichts Gestalthaftes, Geteiltes und einem Sondersein Verpflichtetes mehr bergen.

URL: https://aventin.de/monat-august-gewitter/

Autor: Herbert Fritsche

Bewertung des Redakteurs:
5

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