Alter Adam · Story

Alter Adam · Story aus England · Oxfordshire · Versuchung

An einem Sommertag, an dem es sehr heiß war, wurde dem Gärtner einer großen Villa in der Grafschaft Oxfordshire aufgetragen, den Garten zu bearbeiten. Was blieb dem Mann anderes übrig, als die Anordnung auszuführen.

Er machte sich also an die Arbeit. Nur von Zeit zu Zeit blieb er stehen, wischte sich den Schweiß von der Stirn und schimpfte zum Gotterbarmen laut vor sich hin, dass er all diese Schinderei nur dem alten Adam zu verdanken habe, der sich von Eva mit einem Apfel verführen ließ.

Wären sie nicht wegen ihres Sündenfalls aus dem Paradies vertrieben worden, könnten die Menschen noch heute dort glücklich und ohne Plackerei und Arbeit leben.

Das Fluchen und Schimpfen drang nach einiger Zeit auch an das Ohr dessen, der der Auftraggeber war. Da trat der Besitzer zu ihm und sprach: »Warum beschimpfst du Adam? Ich wette um jeden Preis, du hättest nicht anders gehandelt als er.«

»Von wegen«, antwortete der Gärtner, »ich hätte der Versuchung bestimmt widerstanden.«

»Das wollen wir doch mal sehen«, sprach der Mann und lud den Gärtner zum Essen ein.

Zur verabredeten Zeit erschien der Gärtner, und der Hausherr führte ihn sogleich in das Speisezimmer, wo ein reichlich gedeckter Tisch stand. Alles, was man sich an Speisen und Getränken nur denken konnte, war vorhanden, und dem hungrigen Gärtner lief das Wasser im Mund zusammen.

»Von all dem kannst du essen, soviel zu willst«, sagte der Hausherr zu seinem Gärtner, »nur die verdeckte Schüssel in der Mitte darfst du nicht anrühren, solange ich nicht dabei bin.« Darauf ging er aus dem Zimmer hinaus.

Der Gärtner wartete nicht lange. Er setzte sich an den Tisch und begann mit gutem Appetit von all den leckeren Speisen und Getränken zu kosten, die man ihm da aufgetischt hatte.

Als er dann so satt war, dass er keinen Bissen mehr hätte essen können, und der Hausherr immer noch nicht zurück gekommen war, begann die verdeckte Schüssel seinen Blick magisch anzuziehen.

»Was mag wohl nur in dieser Schüssel sein«, überlegte er. »Warum soll ich die Schüssel nur öffnen, wenn der Hausherr dabei ist?« fragte er sich. »Ich brauche ja«, fuhr er bei sich fort, »das Tuch, mit dem sie abgedeckt ist, nicht ganz sondern nur ein bisschen aufheben. Nur einen kleinen Spalt… und ich würde sehen, was in der Schüssel ist.«

Schließlich juckte ihn seinen Neugierde so sehr in den Fingerspitzen, dass er sich nicht mehr zurückhalten konnte. Vorsichtig hob er einen Zipfel des Tuches leicht an und … heraus sprang eine kleine Maus.

Der Gärtner wollte sie gerade noch fassen, aber sie entwischte ihm hinab auf den Fußboden. Dort wollte er sich noch auf sie stürzen, aber die Maus war viel wendiger und flinker als er. Bei der Jagd nach dem leichtfüßigen Nagetier warf er noch einige Stühle und einen Tische um, und schließlich kam, angelockt vom Lärm, der Hausherr wieder ins Zimmer.

»Siehst du«, sagte er und drohte lachend dem Gärtner mit dem Finger, »an deiner Stelle würde ich in Zukunft nicht mehr so laut über den alten Adam und seinen Fehler schimpfen.«

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Autor: Story aus England

Bewertung des Redakteurs:
4

Das Unbewusste ist gewissermaßen der Mutterboden, aus dem Bewusstsein wächst.

Carl Gustav Jung