Krähe und Flamingo

Krähe und Flamingo · Fabel aus Indien

An der Straße nach der Stadt Udschajini stand ein Feigenbaum. Ganz oben nistete ein Flamingo, und auch eine Krähe hatte sich ihr Nest im Blättergewirr des Baumes gebaut.

An einem heißen Sommertag kam ein Wanderer auf dem Weg nach Udschajini daher. Als er den Baum erreichte, blieb er stehen, legte Pfeil und Bogen ins Gras und ließ sich im Schatten der Zweige nieder.

Er schlief ein, denn er war sehr müde, und so tief schlief er, dass er nicht aufwachte, als der Schatten des Baumes unmerklich weiterrückte und sein Gesicht den heißen Strahlen der Sonne aussetzte.

Der Flamingo, oben in der Krone des Feigenbaumes, sah es und hatte Mitleid mit dem Schlafenden. Er flog deshalb herab, breitete seine Flügel über dem Gesicht des Mannes aus und schützte es so vor der sengenden Mittagsglut. Der Schlafende atmete friedlich.

Die Krähe schaute dem barmherzigen Flamingo und dem Mann im Schatten der ausgebreiteten Flügel eine Weile zu, dann spreizte sie ihre schwarzen Schwingen, stieß herab und ließ ihren Unrat auf das Gesicht des Schlafenden fallen und flüchtete.

Der Mann sprang zornig auf, sah den Flamingo über sich und tötete ihn mit einem Pfeilschuss.

Lehre: Bleib niemals in der Gesellschaft eines Bösewichts, es bringt nur Unheil.

Krähe und Flamingo · Fabel aus Indien

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Autor: Fabel aus Indien

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Welche Regierung die beste sei? Diejenige, die uns lehrt, uns selbst zu regieren.
Johann Wolfgang von Goethe