Jane Herd und die Glückshaube

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Jane Herd und die Glückshaube – Märchen aus England

Als Jane Herd geboren wurde, war ihr Kopf und ihr Gesicht von einer Haut wie mit einer Maske bedeckt, und wie es zu jener Zeit ganz natürlich war, bewahrte ihre Mutter diese Haube sorgfältig auf.

Es zeigte sich aber, dass diese Glückshaube eine ganz besondere Kraft besaß. Wenn Jane die Haube auf den Tisch legte und sich wünschte, irgend jemanden möge kommen, dann wurde dieser gezwungen zu erscheinen. Und noch viele andere Wunder konnte sie mit ihrer Glückshaube bewirken.

Jane war, wie man berichtet, ein braves Mädchen und sie benutzte die Haube nie zu einem bösen Zweck, obgleich das möglich gewesen wäre, wenn ihr der Sinn danach gestanden hätte.

Als Jane eines Tages ihre Glückshaube für einen redlichen Zweck verwendete, da blies sie ein Windstoß durch das offene Fenster davon. Jane lief natürlich gleich auf die Straße und wollte ihren Schatz zurückbekommen, aber die Glückshaube war fort, und man konnte sie nicht mehr finden. Sie war ja von so überaus zarter Art, dass der Wind sie einfach fort getragen hatte, und keiner wusste wohin.

Von diesem Tag an aber wurde das Leben Jane zur Last. Ihr Liebster zeigte ihr die kalte Schulter – der Hochzeitstag war bereits festgesetzt worden – und er lehnte ab, sein Versprechen zu halten. Nun bekam sie an ihrem Nacken auch noch eine hässliche Beule, ihr rechtes Knie befiel eine Schwellung und ein fürchterlicher Schmerz befiehl sie, dass Jane lahm daherhinkte, und sie ein richtiges Wrack wurde.

Schließlich stand es derartig schlimm um sie, dass die Leute zu argwöhnen begannen, eine übelgesinnte Person könnte ihre Haube vielleicht gefunden haben und ihr nun damit Schaden zufügen. Als Jane nämlich damals auf die Straße gelaufen war, um ihren verlorenen Schatz zurück zu bekommen, war nur als einzige Person eine gewisse Molly Cass zu sehen gewesen. Ein Hexenweib, das in jenen Tagen in der Gegend einen wahrlich schlechten Ruf hatte.

Zu guter Letzt nahm Jane Zuflucht zu weisen Männern jener Zeit, zu Meister Sadler und Thomas Spence. Beide lebten in Bedale. Diese beiden würdigen Männer machten nach vielen Fragen sowohl um die Beule als auch um das Knie bestimmte Zeichen und sagten Jane, sie solle gewisse Dinge zusammensuchen und sie am nächsten Tag um Mitternacht bringen.

Nachdem Jane diese Dinge zusammengesucht und den Beschwörern übergeben hatte, vermischten diese sie mit anderen Zutaten und kochten das Ganze auf einem Feuer aus Ebereschenholz, und Jane musste es mit einem Ebereschenstock umrühren. Als sie mit dem Kochen fast zu Ende waren, erhob sich aus dem Topf plötzlich ein gewaltiger Rauch, und Jane wurde befohlen, ihn einzuatmen. Sie tat es auch, aber sie erstickte fast daran.

Dann sagten sie zu ihr, sie solle aufhören zu rühren, aber den Stock mit einer Hand ganz festhalten. Nun sollte sie folgende Frage wiederholen: »Hat der oder die« – und dabei wurden Namen von Verdächtigen genannt – »meine Glückshaube?« Darauf sagte nach einer kurzen Weile Meister Sadler: »Nein, sie ist frei.« Danach sprach Meister Spence: »Bei aller Macht der Heiligen und dem Zauber von Hagothet und Arcon, nenne den Namen einer anderen Person, der du misstraust.«

Nach dieser Formel gingen sie weiter vor, bis der Name von Molly Cass genannt wurde. Kaum war der Name der Hexe ausgesprochen, da kochte auch schon der Topf über und erfüllte den ganzen Raum mit solch einem entsetzlichen Gestank, dass alle drei in den Hof flüchten mussten.

Das ging so schnell vor sich, dass sie die alte Hexe dabei überraschten, wie sie hastig von der Bank vorm Haus herunter kletterte, auf der sie gestanden hatte, damit sie durch ein kleines Loch im Fensterladen hindurchblicken konnte.

Sofort ergriffen sie sie, zerrten sie in einen anderen Raum und hielten sie dort fest, bis sie gestand, die Glückshaube bei sich zu haben. Sie versprach auch, diese sofort heraus geben zu wollen. Weiter bekannte sie, dass sie durch etwas gezwungen worden sei, den ganzen Weg von Leeming bis hierher zu laufen – nämlich von dem Augenblick an, in dem die Weisen den Topf auf das Feuer aus Ebereschenholz gesetzt hätten.

Die Leute in der Gegend glaubten allerdings, sie sei auf einem Besen daher geritten. Die Hexe bat, man möge ihr vergeben, aber sie wurde zur Strafe in einem Stall eingesperrt, und ein Pflock aus Ebereschenholz wurde in die Tür getrieben, damit sie nicht fliehen konnte.

Am nächsten Tag urteilte man über sie und die Hexe wurde ins dortige Gefängnis gebracht. Der faule Zauber war nun vorüber und das Glück suchte Jane Herd auch wieder heim.

Jane Herd und die Glückshaube – Märchen aus England

Jane Herd und die Glückshaube
Jane Herd Glueckshaube 1

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Autor: Märchen aus England

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