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Als ich ein Kind war

Lesezeit: 2 Minuten

Als ich ein Kind war + Mirra Alfassa + Universelle Stadt Auroville

Als ich ein Kind war – etwa dreizehn Jahre alt und für die Dauer eines Jahres ungefähr, schien es mir jeden Abend, wenn ich zu Bett gegangen war, dass ich meinen Körper verließ und mich gerade über das Haus erhob und dann sehr hoch über die ganze Stadt blickte.

Ich sah mich da in ein prächtig goldenes Gewand gekleidet, länger als ich, und als ich stieg, wurde es immer länger und breitete sich rings um mich herum aus, um gleichsam ein ungeheures Dach über der Stadt zu bilden.

Von allen Seiten sah ich Männer, Frauen, Kinder, Greise, Kranke und Unglückliche hervorkommen, die ebenfalls ihre Körper verlassen hatten. Diese scharten sich unter das ausgebreitete Gewand, flehten um Hilfe, erzählten ihre Sorgen, ihre Nöte, ihre Leiden und ihre Schmerzen.

Zur Antwort dehnte sich sodann das Gewand, geschmeidig und lebendig, auf die Einzelnen zu, und sobald sie es berührt hatten, waren sie getröstet oder geheilt und kehrten glücklicher und stärker als zuvor in ihre Körper zurück.

Nichts schien mir schöner, nichts machte mich froher, und alle Betätigungen des Tages kamen mir stumpf und grau vor, ohne wirkliches Leben, neben diesem Tun in der Nacht, das für mich das wahre Leben war.

Oft wenn ich mich so erhob, sah ich zu meiner Linken einen schweigenden und reglosen Alten, der mich mit wohlwollender Zuneigung betrachtete und mich durch seine Gegenwart ermutigte. Dieser Alte, in ein dunkelviolettes Gewand gekleidet, war die Verkörperung – ich erfuhr es erst später – von jenem, den man den Schmerzensmann nennt.

Jetzt überträgt sich die tiefe Erfahrung, die fast unsägliche Wirklichkeit, meinem Gehirn in anderen Begriffen, die ich so umreißen kann: Sehr häufig scheint es mir, am Tag und in der Nacht, dass ich – oder richtiger mein Bewusstsein – insgesamt in meinem Herzen gesammelt bin, das nicht mehr ein Organ, nicht einmal eine Empfindung ist, sondern die göttliche Liebe, unpersönlich und ewig.

Indem ich diese Liebe bin, fühle ich mich im Mittelpunkt jeden Dinges auf der ganzen Erde leben, und gleichzeitig scheine ich mich in unermesslichen, unendlichen Armen auszubreiten und mit schrankenloser Zärtlichkeit alle Wesen zu umfangen, die sich scharen, zusammendrängen, hinkauern auf meiner Brust, die weiter ist als das ganze Weltall.

Worte sind armselig und ungeschickt, oh göttlicher Meister, und mentale Übertragungen sind immer kindlich. Aber meine Sehnsucht zu Dir ist beständig, und in Wahrheit bist sehr häufig Du es und einzig Du, der in diesem Körper lebt, einem unvollkommenen Mittel, Dich zu offenbaren.

Mögen alle Wesen glücklich sein im Frieden Deiner Erleuchtung!

Als ich ein Kind war + Mirra Alfassa + Universelle Stadt Auroville + Parabel

Als ich ein Kind war • AVENTIN Storys
als ich ein kind war mirra alfassa 05 22

Als ich ein Kind war + Mirra Alfassa + Universelle Stadt Auroville + Parabel - Als ich ein Kind war - etwa dreizehn Jahre alt und für die Dauer eines Jahres ungefähr, schien es mir jeden Abend, wenn ich zu Bett gegangen war, dass ich meinen Körper verließ und mich gerade über das Haus erhob und dann sehr hoch über die ganze Stadt blickte.

URL: https://aventin.de/als-ich-ein-kind-war-mirra-alfassa/

Autor: Mirra Alfassa

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