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Ritter Rotbart

Ritter Rotbart im Zauberwald – Märchen aus dem Mittelalter

Vor langer Zeit, als in Europa Burgen, Turniere und Könige den Alltag bestimmten, lebte auf der Burg Fidibus ein etwas ungewöhnlicher Ritter: Ritter Rotbart.

Er hatte sich seinen Namen selbst gegeben – wegen seines langen, knallroten Schnurrbarts, der ständig seine Nase kitzelte, sodass er immer wieder laut niesen musste. Eigentlich hieß er Knut von Plattfuß, aber das klang in seinen Ohren nicht heldenhaft genug.

Eines Abends saß Ritter Rotbart mit seiner Gemahlin, Burgfräulein Mathilde von Glitzer, im großen Speisesaal der Burg. Wieder einmal musste er gewaltig niesen, weil sein roter Bart ihn an der Nase kitzelte, und Mathilde schlug ihm vor, den Bart doch endlich abzuschneiden. Rotbart war empört: Ohne Bart, so glaubte er, wäre er kein richtiger, Furcht einflößender Ritter mehr.

Um zu beweisen, wie mutig er ist, kündigte er an, in den dunklen Zauberwald zu reiten, um Burg Fidibus vor einem angeblich bösen Drachen zu schützen. Er ließ sich in seine Rüstung helfen, stieg auf sein weißes Pferd Hoplahop und ritt los. Der Zauberwald war dicht, die Äste nahmen das Sonnenlicht weg, und es war voller seltsamer Geräusche, sodass Rotbart zwar tapfer tat, innerlich aber ganz schön nervös war.

Im Wald musste Rotbart wieder niesen, und sein Pferd Hoplahop neckte ihn, dass es nun wirklich Zeit wäre, den Bart abzuschneiden. Plötzlich raschelte es über ihnen in der Baumkrone, Blätter fielen auf Ritter Rotbarts Kopf, und er war sofort überzeugt, dass dort oben ein gefährlicher Drache sitzen müsse. Hoplahop meinte nur, es sei bestimmt nur ein Vogel, doch Rotbart wollte beweisen, wie todesmutig er sei.

Er stieg ab, schlich zum Baum und kletterte mühsam hinauf. Oben angekommen rief er seinem Pferd zu – und musste im gleichen Moment so heftig niesen, dass alle Blätter der Baumkrone durch die Luft wirbelten. Statt eines Drachen schaute ihn nun eine Gruppe erschrockener Eichhörnchen an, die noch dazu anfingen zu kichern und ihn mit seinem roten Bart ziemlich albern fanden. Rotbart schämte sich furchtbar, denn anstelle eines Drachen hatte er nur ein paar kleine Waldtiere erschreckt.

Mit hochrotem Kopf kletterte er wieder hinunter, sprang auf Hoplahop und ritt so schnell er konnte zurück zur Burg. Dort fragte ihn Mathilde natürlich sofort, was im Zauberwald denn geschehen sei. Weil er nicht zugeben wollte, dass er Angst gehabt hatte und von Eichhörnchen ausgelacht worden war, dachte er sich eine große Heldengeschichte aus.

Er erzählte von einem riesigen, feuerspeienden Drachen, der so kräftig geblasen habe, dass seine Haare und sein roter Bart zu Berge standen, und der dann vor seinem Furcht erregenden Bart geflüchtet sei.

Die Leute auf der Burg waren beeindruckt und lobten seinen Mut – und Rotbart fühlte sich in seiner Meinung bestätigt, dass sein Bart ihn besonders beeindruckend machte.

Was man aus der Geschichte lernen kann: Aus Ritter Rotbarts Abenteuer im Zauberwald lassen sich einige wichtige Lehren ziehen, die auch für heute noch passen.

Echte Tapferkeit hat nichts mit Aussehen zu tun: Rotbart glaubt, nur mit langem, roten Bart sei er ein richtiger Ritter, aber Mut zeigt sich in Handlungen, nicht in Schnurrbärten, Rüstungen oder coolen Namen.

​Ehrlichkeit ist wichtiger als Prahlerei: Statt zuzugeben, dass er Angst vor den Geräuschen im Wald hatte und es nur Eichhörnchen waren, erfindet Rotbart eine Drachen-Geschichte. Das mag ihm kurz Anerkennung bringen, aber innerlich weiß er, dass es nicht die Wahrheit ist.

Fehler und Angst sind normal: Rotbart schämt sich, dass er sich geirrt hat, aber eigentlich wäre es völlig in Ordnung zu sagen: »Ich hatte Angst und lag falsch.« Gerade daraus kann man wachsen und wirklich mutig werden.

​Über sich selbst lachen können: Die Eichhörnchen und sein Pferd finden die Situation lustig, und auch wenn Rotbart das zuerst gar nicht mag, steckt darin eine freundliche Erinnerung, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen.

Selbstbild vs. Wirklichkeit: Rotbart sieht sich als mächtigen, furchterregenden Ritter, der dank seines Bartes besonders beeindruckend wirkt – in Wirklichkeit ist er ein Mensch mit Schwächen, Unsicherheiten und einem kitzeligen Schnurrbart. Kinder (und Erwachsene) können daraus lernen, dass man nicht perfekt sein muss, um liebenswert zu sein.

Wenn du die Geschichte jemandem erzählst, kannst du zum Schluss die Frage stellen: »Was hättest du an Rotbarts Stelle gemacht?« – so wird aus der Rittergeschichte nicht nur ein Abenteuer im Zauberwald, sondern auch ein kleines Gespräch über Mut, Ehrlichkeit und den Umgang mit eigenen Ängsten.

Ritter Rotbart im Zauberwald – Märchen aus dem Mittelalter

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