Jeder glaubt · Karel Capek · Fabel · Natur Mensch und Leben
Der Regenwurm: Dass die Menschen in der Erde herumwühlen, den Boden umgraben, mit dem Spaten herumstochern – das machen sie alles nur mir zum Trotz! Sie wissen, dass ich das nicht leiden kann, also tun sie es absichtlich, nur um mir zu schaden und um mich zu ärgern.
Die Raupe: Haha, aus mir soll ein Schmetterling werden? Altweiberglaube, reine Illusion, Kindermärchen. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass wir Raupen nur Eingeweide in uns haben, und keine Flügel, auch keine farbigen Flügel! Man geht ein, und dann ist’s aus.
Die Ameise: Nicht ich führe den Krieg, sondern der Ameisenhaufen.
Die Fliege am Fenster: Ich weiß schon, wo die Grenzen der Wirklichkeit sind.
Der Spiegel: Der Mensch ist einzig und allein meine Vorstellung.
Der Blumentopf: Ich soll ein Tonscherben sein? Seht doch, was aus mir alles heraus wächst!
Die Zaunlatten: Seht nur die Bäume, nichts als Zweige und keine Ordnung!
Der Zaunpfahl: Ruhe, Latten! Der Zaun bin ich.
Das Unkraut: Wunderbarer Baum? Dummes Zeug! Ihr sollt sehen, wenn ich einmal fünfhundert Jahre alt bin!
Der Eckstein: Die Sonne? So eine Nichtstuerin! Immer nur umherziehen – kein fester Standpunkt!
Der Kuhfladen: Plumps! So, jetzt habe ich meine ganze Persönlichkeit entfaltet.
Der Hahn: Noch dämmert’s nicht. Noch gab ich nicht das Zeichen!
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Autor: Karel Capek
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