Harlekin · Commedia dell‘ arte

Harlekin · Commedia dell‘ arte · Venedig & Casanova

Der französische Priester Gauchelin beschrieb im 11. Jahrhundert »Harlequins wilde Jagd«, und er stützte sich dabei auf weitaus ältere Bräuche.

Harlekin war anfangs nicht die in Seide gehüllte Clownsfigur, sondern Dämon und Höllenfürst. Im Gegensatz zum gepflegten Minnegesang ging es hier oft sehr derb zur Sache:

Seh ich die Schmarotzer an,
kocht es mir im Blute,
lauter ausgemachte Narrn,
lauter Tunichtsgute,
kaum soviel Verstand im Hirn,
wie die dümmste Pute,
aber stolz im seidnen Wams
und in buntem Tuche.
(Archipoeta – um 1160)

Die eigentliche Metamorphose des teuflischen Harlekins zu dem uns bekannten gutmütigen Possenreißer begann im 13. Jahrhundert. Die verfeinerten Sitten der Bürger in Florenz und Venedig, in Parin, Köln oder Augsburg boten dazu den geeigneten Nährboden. Die wilde Jagd erhielt im »Charivari« ihre gezähmte Variante, und der Dämon Harlekin wurde schrittweise ein närrischer Fürst.

Erst Ende des 14. Jahrhundert wurde die schillernde Gestalt zum Hauptdarsteller einer fahrenden Komödiantengruppe. Dass ein Harlekin in dieser Rolle neben seiner Maske auch gewisse darstellerische Voraussetzungen mitbringen musste, war selbstverständlich. Ähnlich wie die Büttenredner – jedoch ohne vorbereitete Texte – foppte er Rittertum, Klerus und weltliche Würdenträger.

Den Typ des uns heute besonders bekannten Harlekins erfanden die Komödianten Oberitaliens in ihrer aus dem Stegreif gesprochenen »Commedia dell‘ arte«. Es war eine Art Fastnachtsspiel, bei dem Berufsschauspieler mitwirkten.

Arlecchino und Columbina, in Italien ein Pärchen, bewegten sich auf der Bühne lebhaft und wendig, verrenkten Arme und Beine ungewohnt, witzelten und sprachen gekünstelt, hüpften komisch herum und schlugen Purzelbäume.

In Venedig stand der Karneval im Zeichen Neptuns. Unter der Maske Harlekins soll auch der junge Casanova seiner Columbina während der Umarmung zugeflüstert haben: »Die Welt besteht aus zwei Halbkugeln. Ich halte beide in meinen Händen.«

Der Doge war immer mit dabei, wenn die Schiffe und Gondeln aus den Kanälen von Venedig aufs freie Meer hinaus steuerten und Columbina einen goldenen Ring ins Wasser warf. Diese symbolische Geste vermählte gleichsam Venedig mit dem Meer.

Harlekin · Commedia dell‘ arte · Venedig & Casanova

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Autor: N. N.

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4

Solange du nach dem Glück jagst, bist du nicht reif zum Glücklichsein.

Hermann Hesse