Der Schmarotzer

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Der Schmarotzer – Parabel – Leben Faulheit und Dummheit

Es war einmal einer, der war faul und dumm. Gar nichts nannte er sein Eigen und die Arbeit mochte er auch nicht. Bei dem einen bettelte er um Essen, bei dem anderen um einen Trank und beim dritten um etwas Anderes. So schlug er sich durch und kannte weder Ehre noch Scham.

Er hatte aber gutmütige Nachbarn, die ihm halfen, wenn ihnen auch seine Bettelei nicht gefiel. Wo er sich sehen ließ, hieß es: „Der Schmarotzer ist wieder da! Gewiss braucht er wieder etwas von uns.“ Der aber tat, als höre er nichts und ließ auch sein Betteln nicht sein. Schließlich wollte niemand mehr etwas mit ihm zu tun haben und auch nichts mehr von ihm wissen.

„Die Menschen taugen alle nichts; nicht einmal Mitleid haben sie mit einem armen Teufel. Ich will doch lieber mich an den Himmel wenden, der gnädiger ist als alle anderen“, sagte er deshalb zu sich selber. Also versteckte er sich irgendwo, hob die Hände gegen den Himmel und flehte: „Gott im Himmel, der du mich erschaffen hast, Schöpfer der Welt! Gib mir armen Elenden zu leben!“ Aber es kam nichts, so sehr er auch um sich sah und suchte. Zum zweiten und zum dritten Mal wiederholte er so sein Gebet.

„Ha, ha ha“, tönte es plötzlich ganz in seiner Nähe, „mach nur weiter so!“ Die Jungen aus der Nachbarschaft standen da und lachten ihn aus. Da schämte sich der Schmarotzer zum ersten Mal in seinem Leben und beschloss, auf einen hohen Berg zu steigen, wo er dem Himmel näher wäre, und wo es keine Menschen gäbe, die ihn auslachen könnten.

Auf dem Weg dorthin begegnete ihm ein Wolf. „Mensch, Mensch, wohin gehst du?“ fragte dieser.

„Zu Gott im Himmel“, antwortete der Schmarotzer.

„Wenn das so ist, so erkundige dich bitte danach: ich habe von jedem lebenden Tier schon gefressen, wurde aber nicht fett dabei. Frage doch einmal nach, was ich fressen soll. Ich warte hier, bis zu zurück kommst.“

„Gut, gut“, sagte der Schmarotzer und ging weiter.

Bald kam er an eine Eiche. „Mensch, wohin des Weges?“ fragte in diese.

„Zu Gott im Himmel“.

„Wenn es wahr ist, so tue mir den Gefallen und erkundige dich, warum meine eine Seite vertrocknet ist.“

„Gern will ich das tun“, sagte der Schmarotzer, setzte seinen Weg fort und kam an einen Fluss.

„Mensch, Mensch! Wohin gehst du?“ rief ein Fisch aus dem Wasser in an.

„Zu Gott im Himmel“.

„Bitte, bitte erkundige dich, warum ich auf dem linken Auge blind bin.“

„Die Bitte ist leicht zu erfüllen“, antwortete der Schmarotzer und ging weiter.

Als er auf den Grat des Berges gekommen war, stand da ein Hirsch und fragte ihn, was er hier oben suche. „Ich habe mit Gott im Himmel zu sprechen und deshalb bin ich hier her gekommen.“ Der Hirsch war ein gutmütiges Tier und sagte zu ihm: „Du bist jetzt oben auf dem Berg und wenn du noch weiter hinauf willst, so kannst du mein Geweih als Leiter benutzen.“

Der Schmarotzer ließ sich das nicht zweimal sagen, stieg auf den Hirsch und kletterte an dessen Gestänge empor.

Plötzlich hörte er eine Stimme von oben: „Irdischer, wohin willst du?“

„Zu dir, Allmächtigster!“ antwortete demütig der Schmarotzer.

„Was willst du von mir?“

„Herr, ich habe nichts zu leben, sei mir gnädig!“

„Kehre nach Hause zurück und du sollst finden, was du suchst!“ antwortete der Höchste.

Dann brachte der Schmarotzer auch noch die Anliegen des Wolfes, der Eiche und des Fisches vor, erhielt die erbetene Auskunft, dankte dem Allerhöchsten, dankte auch dem Hirsch und machte sich auf den Heimweg. So froh war er, dass er mehr tanzte als er ging. Bald kam er auch wieder zum Fluss.

„Nun?“ fragte ihn der Fisch.

„In deiner linken Kieme steckt ein Diamant, den nimm heraus und du wirst wieder sehen“, antwortete der Schmarotzer.

„Wenn du mir einen Gefallen erweisen willst, so hilf mir“, sagte der Fisch. Der Schmarotzer nahm ihm den Diamanten aus der Kieme und das linke Auge des Fisches wurde wieder sehend. Um seine Dankbarkeit zu beweisen, schenkte ihm der Fisch den Stein, aber der Schmarotzer warf ihn ins Wasser.

„Wozu denn? Ich finde zu Hause sowieso, was ich brauche“, sagte er hochmütig und ging weiter.

„Der muss schön dumm sein!“, dachte der Fisch und schwamm fröhlich weg.

Der Schmarotzer kam auch bald wieder zu der Eiche. „Hast du etwas erfahren?“ fragte ihn diese.

„Freilich! Da unter deiner vertrockneten Seite liegt ein großer Weinkrug begraben, den nimm heraus und der Saft kann wieder in dich aufsteigen.“ Die Eiche bat ihn um Hilfe. Der Schmarotzer ließ sich auch nicht lange bitten und grub den Grund an der vertrockneten Seite des Baumes auf. Der Weinkrug aber war bis zum Rand voll Gold und Silber. Die dankbare Eiche schenkte alles dem Schmarotzer.

„Was soll ich damit, wenn ich doch mein Auskommen zu Hause habe“, antwortete dieser, gab dem Weinkrug einen Fußtritt und alles Gold und Silber rollte den Abgrund hinunter.

„Muss der dumm sein!“, dachte die Eiche, „wenn er es selbst nicht brauchen kann, hätte er es doch wenigstens anderen Leuten geben können“, und schüttelte ihr Laub zum Zeichen dafür, wie sehr sie sich über diesen Menschen wunderte.

Bald darauf kam der Schmarotzer zum Wolf. „Was für eine Antwort bringst du mir?“ fragte dieser.

„Ich soll dir sagen, dass Menschenfleisch dich fett machen wird“.

„So, so! Nun, du bist ja auch ein Mensch“, sagte der Wolf und riss den Rachen auf …

Am folgenden Tag fanden junge Hirten Kleidungsstücke und brachten sie ins Dorf. Alle erkannten des Schmarotzers Kleider wieder und bemitleideten ihn, obwohl sie ihn gar nicht leiden mochten.

Ein alter Mann aber sagte zu den Jungen: „Da seht ihr es! Die Welt ist Arbeit und der Faule nahm es krumm. Sein Leben und sein Tod sind zum Weinen und zum Lachen!“

Der Schmarotzer – Parabel – Leben und Dummheit

Der Schmarotzer
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Der Schmarotzer - Parabel - Leben und Dummheit - Es war einmal einer, der war faul und dumm. Gar nichts nannte er sein Eigen und die Arbeit mochte er auch nicht. Bei dem einen bettelte er um Essen, bei dem anderen um einen Trank und beim dritten um etwas Anderes. So schlug er sich durch und kannte weder Ehre noch Scham.

URL: https://aventin.de/der-schmarotzer/

Autor: N. N.

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4

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