Der kluge Kolibri und der stolze Jaguar – Fabel – Amazonas
Vor langer Zeit, tief im dichten Regenwald des Amazonas, lebte ein prächtiger Jaguar namens Yaguareté. Sein Fell glänzte wie die Nacht, und seine Stimme hallte wie Donner durch die Baumkronen.
Er war der stärkste Jäger des Waldes und stolz darauf. »Alles, was ich sehe, gehört mir«, knurrte er oft, während er mit schweren Pfoten durch das Unterholz schlich.
Nicht weit entfernt flatterte ein winziger Kolibri namens Picaflor. Er war so klein, dass man ihn leicht übersehen konnte, doch seine Flügel bewegten sich so schnell wie das Licht, und sein Herz war mutig und neugierig. Picaflor liebte die süßen Blüten der Orchideen und teilte den Nektar gern mit den anderen Tieren.
Eines Tages fand Yaguareté einen alten, mächtigen Ceiba-Baum, dessen Krone voller reifer Früchte hing. Der Baum trug die süßesten Mangos und Papayas, die der Wald je gesehen hatte.
»Dieser Baum gehört jetzt mir!«, brüllte der Jaguar und legte sich darunter, um jeden zu vertreiben, der sich näherte. Die Affen, die Papageien und die Faultiere zogen traurig weiter. Niemand wagte es, sich dem mächtigen Jäger entgegenzustellen.
Picaflor beobachtete das alles aus der Höhe. Er sah, wie die Tiere des Waldes hungrig und traurig wurden. Da fasste er einen Entschluss. Mit seinem winzigen Schnabel flog er direkt zum Jaguar.
»Großer Yaguareté«, zwitscherte er höflich, »du bist wahrlich der König des Waldes. Aber selbst ein König braucht Freunde. Lass die anderen Tiere von den Früchten fressen, und sie werden dich dafür ehren und beschützen, wenn du einmal Hilfe brauchst.«
Der Jaguar lachte so laut, dass die Blätter zitterten. »Ein winziger Federball will mir Ratschläge geben? Verschwinde, bevor ich dich als Nachmittagssnack verspeise!«
Picaflor gab nicht auf. Am nächsten Morgen kehrte er zurück – diesmal mit einem ganzen Schwarm seiner Kolibri-Freunde. Gemeinsam umschwirrten sie den Jaguar in einem wirbelnden, bunten Tanz.
Sie summten und zwitscherten so laut und verwirrend, dass Yaguareté den Kopf nicht mehr stillhalten konnte. Während der Jaguar mit den Pfoten nach den flinken Vögeln schlug und vor Wut brüllte, kletterten die Affen leise von hinten in den Ceiba-Baum und warfen die reifsten Früchte hinunter zu den wartenden Tieren.
Als der Jaguar merkte, was geschah, war es schon zu spät. Der Baum war fast leer. Wütend wollte er noch die Affen verfolgen, doch seine Pfoten waren vom vielen Schlagen müde, und er stolperte über eine große Wurzel. Dabei fiel er in ein tiefes Loch voller Schlamm, das der Regen am Abend zuvor gegraben hatte.
Picaflor landete auf einem Ast über ihm. »Siehst du, großer Jaguar«, sagte er sanft, »Stärke allein reicht nicht. Wer nur nimmt und nie teilt, steht am Ende allein im Schlamm.«
Die anderen Tiere halfen dem Jaguar schließlich dann doch aus dem Loch – aber nur, weil Picaflor sie darum gebeten hatte.
Von diesem Tag an teilte Yaguareté die Früchte des Ceiba-Baums mit allen. Und wenn ein Sturm kam oder ein anderes Raubtier den Wald bedrohte, standen die Tiere zusammen und warnten ihn rechtzeitig.
Die Moral von der Geschichte:
Wer nur auf seine eigene Stärke vertraut und nicht teilt, verliert am Ende mehr als er gewinnt. Wahre Macht liegt in Klugheit und Gemeinschaft.
Der kluge Kolibri und der stolze Jaguar – Fabel – Amazonas
Der kluge Kolibri
Vor langer Zeit, tief im dichten Regenwald des Amazonas, lebte ein prächtiger Jaguar namens Yaguareté. Sein Fell glänzte wie die Nacht, und seine Stimme hallte wie Donner durch die Baumkronen.
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Autor: N. N.
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