Franz von Assisi – Heiliger der Gegenwart
Franz von Assisi (ca. 1181/82–1226) war ein italienischer Kaufmannssohn, der nach einer tiefen Glaubenswende zum bettelarmen Wanderprediger wurde, den Orden der Minderbrüder (Franziskaner) gründete und in der katholischen Kirche als Heiliger verehrt wird.
Franz von Assisi lebte und wirkte vor allem in und um Assisi in Umbrien (Mittelitalien), reiste aber auch ins Heilige Land und 1219 während des Fünften Kreuzzugs nach Ägypten, wo er dem Sultan al-Kamil begegnete.
Geburt und Herkunft: Franz wurde als Giovanni di Pietro di Bernardone um 1181/82 in Assisi geboren, Sohn eines wohlhabenden Tuchhändlers.
Lebensmittelpunkt: Sein öffentliches Wirken spielte sich hauptsächlich in Mittelitalien ab: Assisi, das Tal von Rieti, die Portiuncula-Kapelle bei Santa Maria degli Angeli und andere Orte Umbriens. Er starb am 3. Oktober 1226 in der Portiuncula.
Ordensgründung: Um 1209/10 entstand die erste Gemeinschaft der „Minderbrüder“ (Franziskaner); gemeinsam mit Klara von Assisi gründete er zudem den zweiten Orden, die Klarissen.
Reise nach Ägypten: Während des Fünften Kreuzzugs reiste Franziskus 1219 ins Heilige Land und dann weiter nach Ägypten, wo das Kreuzfahrerheer die Stadt Damiette im Nildelta belagerte.
Er durchquerte die Frontlinien und suchte im Lager des muslimischen Heeres das Gespräch mit Sultan al-Malik al-Kamil.
Ziel war ursprünglich missionarisch (Bekehrung des Sultans bzw. Zeugnis des Evangeliums), doch die Begegnung wird heute vor allem als frühes Zeichen möglichen Dialogs zwischen Christen und Muslimen in einer Zeit des Krieges angesehen.
Franz blieb mehrere Tage beim Sultan; eine Bekehrung gelang ihm zwar nicht, aber die Überlieferung betont gegenseitige Achtung und das Ende der Feindseligkeit im persönlichen Kontakt.
Glaube und Ideologie: Franziskus formulierte keine abstrakte Ideologie, sondern lebte eine radikal evangeliumszentrierte Spiritualität.
Imitatio Christi: Sein Leitmotiv war die Nachfolge Jesu in konkreter Armut, Demut und Dienstbereitschaft.
Armut und Gehorsam: Die frühen Regeln der Franziskaner heben drei Kernpunkte hervor: Evangelium, Gehorsam, Armut – ein Leben ohne Besitz, in Einfachheit und unter der Leitung der Kirche.
Zeitleiste: Die wichtigsten Lebensstationen des Franz von Assisi
- 1181/1182 Geburt in Assisi als Giovanni di Pietro di Bernardone, Sohn eines reichen Tuchhändlers.
- 1198–1200 Bürgerkrieg und Unruhen in Assisi; Franz wächst in einer politisch instabilen Zeit auf.
- 1202 Schlacht bei Collestrada gegen Perugia; Franz gerät in einjährige Gefangenschaft und erkrankt schwer.
- 1203 Freilassung und Rückkehr nach Assisi; beginnende innere Krise und Krankheit.
- 1204/1205 Versuch, an einem Kreuzzug teilzunehmen; er bricht die Reise aber vorzeitig ab und kehrt um.
- 1205/1206 Bekehrungserlebnis vor dem Kreuz von San Damiano („Repariere meine Kirche“); Begegnung mit einem Aussätzigen; Wallfahrt nach Rom.
- 1206 Öffentlicher Bruch mit dem Vater vor dem Bischof von Assisi; Beginn eines Einsiedlerlebens außerhalb der Stadt.
- 1208/1209 Erste Gefährten schließen sich ihm an; Franz verfasst eine erste Lebensregel.
- 1209/1210 Reise nach Rom; Papst Innozenz III. billigt die Lebensform der Minderbrüder vorerst mündlich.
- 1211/1212 Klara von Assisi und weitere Frauen schließen sich der Bewegung an; Gründung des zweiten Ordens (Klarissen).
- 1219 Reise ins Heilige Land und nach Ägypten; Begegnung mit Sultan al-Kamil bei Damiette während des Fünften Kreuzzugs.
- 1220/1221 Franz übergibt die Ordensleitung an Petrus Cattani; Gründung des Dritten Ordens (für Laien, heute OFS).
- 1221 Abfassung der sogenannten „Nicht-bullierten Regel“ (Regula non bullata).
- 1223 Papst Honorius III. bestätigt schriftlich die überarbeitete Regel („Bullierte Regel“).
- 1224 Auf dem Berg La Verna empfängt Franz die Wundmale Christi (Stigmatisation).
- 1225 Schwere Krankheit und Erblindung; Pflege in San Damiano; Entstehung des Sonnengesangs.
- 03.10.1226 Tod in der Portiuncula-Kapelle bei Assisi, auf der Erde liegend, betend.
- 16.07.1228 Heiligsprechung durch Papst Gregor IX., weniger als zwei Jahre nach seinem Tod.
- 1230 Überführung und Bestattung der Gebeine in die Unterkirche der Basilika San Francesco in Assisi.
Was den Heiligen Franz besonders auszeichnete:
Dienst an den Ausgestoßenen: Besonders prägend war sein Einsatz für Aussätzige (Leprakranke) und Arme; er überwand eigene Ängste und gesellschaftliche Barrieren durch praktische Nächstenliebe.
Schöpfungsfrömmigkeit: Franz sah in allen Geschöpfen Geschwister („Bruder Sonne, Schwester Mond“), was ihn später auch zum Patron der Ökologie machte.
Frieden und Gewaltverzicht: Als ehemaliger Soldat wandte er sich vom Krieg ab, mahnte die Kreuzfahrer zur Umkehr und suchte den Weg des Wortes statt der Waffe.
Gegenwart: Auch im 21. Jahrhundert wirkt Franziskus als „Heiliger der Gegenwart“, da seine Impulse sehr konkret und anschlussfähig sind:
Einfachheit und Konsumkritik: Sein radikaler Verzicht auf Besitz fordert auch heute zu einem bewussteren, nachhaltigeren Lebensstil heraus.
Ökologische Verantwortung: Die „Bruder-Schwester“-Sprache gegenüber der Schöpfung inspiriert christliche und nichtchristliche Umweltbewegungen.
Interreligiöser Frieden: Die Begegnung mit al-Kamil zeigt, dass Dialog auch in Konfliktzeiten möglich ist – ein Modell für christlich-islamische und andere Beziehungen in Europa und der Welt.
Nähe zu den Schwachen: Sein Einsatz für Kranke, Arme und Ausgegrenzte sollte immer ein Maßstab für kirchliches und gesellschaftliches Handeln bleiben.
Freude und Demut: Franziskus verbindet Ernst im Glauben mit einer leichten, dankbaren Grundhaltung – ein Gegenmodell zu Leistungsidealen und Selbstoptimierung.
Franz von Assisi – Heiliger der Gegenwart – Person
Franz von Assisi
Franz von Assisi - Heiliger der Gegenwart - Franz von Assisi (ca. 1181/82–1226) war ein italienischer Kaufmannssohn.
URL: https://aventin.de/franz-von-assisi-heiliger/
Autor: N. N.
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