Der Fischer mit der Flöte – Aesop Fabel – Nach der Pfeife tanzen
Ein Fischer, der wunderbar die Flöte spielen konnte, nahm einst seine Flöte und seine Netze und ging damit zum Meer.
Er stellte sich auf einen großen Felsvorsprung und spielte zuerst ein Lied, denn er glaubte, dass die Fische von selbst aus dem Wasser springen würden, um den lieblichen Klang seines Flötenspiels zu hören.
Aber obwohl er sich sehr anstrengte, hatte er keinen Erfolg. Daher warf er seine Flöte weg, nahm das Netz, schleuderte es ins Wasser hinab und fing dabei viele Fische. Dann zog der das prall gefüllte Netz an Land.
Als er dann die vielen Fische zappeln sah, sagte er zu ihnen: »Ach, ihr elenden Geschöpfe, als ich die Flöte blies, wolltet ihr nicht tanzen, jetzt aber, wo ich damit aufgehört habe, tut ihr es.«
Diese Fabel lies Herodot von Halikarnassos (*485 v. Chr.,† 425 v. Chr.) den siegreichen Perserkönig Kyros erzählen.
Kyros erzählte den Ioniern und den Äolern diese Fabel deswegen, weil die Ionier vorher, als er sie durch Boten aufforderte, von Kroisos abzufallen, nicht gehorchten. Nachdem sich dann aber die Sachlage verändert hatte, waren sie bereit, Kyros zu gehorchen. Er sagte ihnen dieses deshalb voller Zorn.
Der Perserkönig will mit dieser Fabel keine allgemeine Lebensweisheit verkünden, etwa in dem Sinn, dass diejenigen, die etwas zu unpassender Zeit oder zu spät tun, Nachteile haben.
Er beschreibt mit der Geschichte vielmehr die Situation, in der sich Unterlegene befinden, weil sie sich nicht rechtzeitig dem Sieger unterworfen und/oder auf die falsche Karte gesetzt hatten.
Die Redensart »Nach jemandes Pfeife tanzen« dürfte wohl auch auf diese Fabel zurückzuführen sein.
Der Fischer mit der Flöte – Aesop Fabel – Nach der Pfeife tanzen
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Autor: Aesop
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