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Pretas – Hungrige Geister

Pretas – Hungrige Geister – Begierde und Genuss – Buddhismus

Nach buddhistischer Auffassung werden alle Wesen nicht nur in der Menschenwelt, sondern auch in fünf anderen Welten wiedergeboren, unter anderem auch in der Welt der hungrigen Geister – der Welt der Pretas. Diese sind besessen vom ständigen Gedanken an Essen und Trinken und ohne Unterlass auf der Suche nach materieller und geistiger Nahrung.

Wie sehen sie aus:
Pretas (Hungrige Geister) sind Figuren vor allem des indischen und buddhistischen Kultur- und Religionsraums, die einen Zustand unstillbarer Begierde und innerer Not verkörpern. Sie stehen sowohl für eine konkrete Jenseitsvorstellung als auch für eine symbolische Beschreibung bestimmter menschlicher Haltungen.

Was Pretas sind:
Im Hinduismus und Buddhismus bezeichnet preta einen Verstorbenen, der in einem Zwischen- oder Spezialbereich wiedergeboren ist, dem „Reich der hungrigen Geister“.

​Ursache für eine solche Existenz sind starke Gier, Geiz, Anhaftung oder auch falsch oder gar nicht ausgeführte Totenrituale, sodass der Tote als ruheloser Geist umgeht.

​Pretas gelten als Teil der „sechs Daseinsbereiche“, einer kosmisch-ethischen Ordnung, in der karmische Handlungen zu entsprechenden Wiedergeburten führen.

Aussehen und Verhalten:
Pretas werden als extrem mager, mit skelettartigen Gliedern, riesigem Bauch und winzigem Mund oder enger Kehle beschrieben: Sie haben unstillbaren Hunger, können aber fast nichts aufnehmen.

​In vielen Darstellungen verwandelt sich Wasser, dem sie sich nähern, in Feuer und Nahrung in Unrat; so bleibt ihr Begehren ständig frustriert.

​Sie streifen um Friedhöfe, Häuser oder Orte der Lebenden, sind oft neidisch und feindselig, weil sie das Leben und den Genuss der Menschen begehren, aber nicht wirklich daran teilhaben können.

Materieller und geistiger Aspekt:
„Materiell“ sind Pretas in den Mythen eine Art feinstoffliche Wesen: nicht voll körperlich, aber auch nicht rein geistig, in einem eigenen Bereich oder „Loka“, der sich manchmal mit der Menschenwelt überschneidet.

​„Geistig“ symbolisieren sie einen Bewusstseinszustand, in dem Begehren und Mangel sich gegenseitig hochschaukeln: je mehr man will, desto mehr erlebt man die eigene Leere.

​Rituale (Gaben, Rezitationen, Verdienste) sollen ihren Zustand lindern und ihnen langfristig eine bessere Wiedergeburt ermöglichen; zugleich kultivieren sie bei den Lebenden Mitgefühl und Verantwortungsgefühl gegenüber den Toten.

Entsprechungen im menschlichen Verhalten:
In vielen buddhistischen Auslegungen werden die sechs Reiche auch als innere Zustände verstanden: Ein „hungriger Geist“ ist ein Mensch, der nie zufrieden ist, egal wie viel er schon hat.

​Beispiele wären zwanghafte Konsumsucht, unstillbare Anerkennungssucht oder Abhängigkeiten, bei denen Genuss immer kürzer wirkt und das Gefühl von Mangel immer größer wird.

Die Bildsprache – riesiger Bauch, enger Hals – drückt aus, dass die „Kapazität zu genießen“ geschrumpft ist: Man begehrt viel, kann aber kaum echte Erfüllung aufnehmen.

Philosophische Deutung:
Ethisch zeigen Pretas, wie Gier, Geiz und Anhaftung nicht einfach nur „falsch“ sind, sondern sich selbst bestrafen: Das Subjekt erzeugt durch sein Begehren genau den Zustand der inneren Dürre, vor dem es flieht.

​Existenzphilosophisch illustriert das Preta-Reich, dass „Welt“ durch Bewusstsein mitgeformt wird: Eine gierige, verengte Wahrnehmung produziert eine Welt, in der alles wie Feuer oder Unrat wirkt – nie als echtes Gut.

​Aus buddhistischer Sicht verweist das Motiv auf Leerheit und Nicht-Anhaftung: Indem Begierde und Ich-Verengung gelockert werden, muss der „hungrige Geist“ nicht als metaphysische Randfigur verstanden werden, sondern als heilbarer Bewusstseinszustand, der durch Einsicht und Mitgefühl transformiert werden kann.

Pretas – Hungrige Geister – Begierde und Genuss – Buddhismus