Minarett – Leuchtturm und Signalturm – Islam
Der Name des schlanken Turms an einer Moschee leitet sich vom arabischen Wort »manara« ab, was »Signal- oder Leuchtturm« bedeutet.
Das Minarett ist also ein Signalturm, von dessen Galerie aus der Muezzin die Stunden des Gebets ausruft. Der Turm dient aber auch als Leuchtturm, wenn er im Fastenmonat Ramadan, in dem der Koran vom Himmel zur Erde herabkam, nachts mit Lampen erleuchtet wird.
In der Frühzeit des Islam erfolgte der Ruf zum Gebet von irgendeinem erhöhten Standort, bis schließlich, möglicherweise unter dem Einfluss der ägyptischen Obelisken, Säulen oder der erhöhten Turmzellen christlicher Eremiten, für diese Kulthandlung Minarette gebaut wurden.
Frühe berühmte Beispiele finden sich in Damaskus, wo der Kalif ʿAbd al-Malik ibn Marwan die 379 an der Stelle eines korinthischen Tempels erbaute Kirche Johannes des Täufers 705 durch byzantinische Bauhandwerker zur großen Omajjaden-Moschee umformen ließ.
Ebenfalls bemerkenswert ist das spiralförmige, monumentale Minarett der Großen Moschee von Samarra, dem wieder ausgegrabenen Regierungssitz der Abbasiden-Kalifen, das 120 km nördlich von Bagdad liegt und an babylonische Stufentürme erinnert.
Allgemein bekannt sind die Minarette der Hagia Sophia in Konstantinopel (Istanbul). Mit ihnen wurde dieser bedeutendste Bau der Ostkirche nach der Eroberung der Stadt durch die Türken im Jahr 1453 auch äußerlich in eine Moschee verwandelt.
Im türkischen und iranischen Raum finden sich vor allem nadelförmige Minarette, während in Spanien und Nordafrika massivere Türme auf quadratischem Grundriss stehen. Diese Türme heißen Migalet.

