Hase und Igel · Aesop Fabel · Gastfreundschaft
Ein armer Hase hatte sich bei rauer Winterzeit in ein Loch eines hohen Felsens geflüchtet, damit er unter diesem steinernen Dach Schutz finde.
Es dauerte aber nicht lange, da kam ein Igel und bat den Hasen um eine Herberge.
»Hase«, sprach er, »es ist bekannt, dass du nicht nur große Ohren hast, um jede Bitte zu hören, sondern auch ein großes weiches Herz und viel Liebe deinen Nächsten zeigst. Da mich nun das harte unerträgliche Wetter überfallen hat, so vergönne mir doch einen kleinen Winkel in deiner Wohnung! Künftigen Herbst, so Gott will, werde ich mich bei dir mit allerlei Wohltaten, Äpfel, Birnen und Nüsse, bedanken.«
Der Hase wusste nicht recht, schaute hin und her und bemerkte wohl, dass der Platz in der kleinen Höhle ziemlich eng war; gleichwohl er willigte ein auf Grund solch freundlichem Ansuchen.
Der Igel machte es sich sodann in des Hasen Wohnung bequem.
Es dauert aber nicht lange, da fing der Igel an, seine Stacheln auszubreiten. Der Hase rückte und rückte; aber der unverschämte Gast gab nicht nach, bis dass der Hase die Herberge dem berechnenden Schelm zwangsweise überließ.
Lehre: Gib einem Schelm nur einen Finger, nimmt er doch die ganze Hand.