Ramadan und Fastenzeit – Islam und Christentum
Ramadan ist der islamische Fastenmonat, der neunte Monat des islamischen Mondkalenders und eine der zentralen religiösen Pflichten im Islam.
Entstehung und religieller Hintergrund:
Muslime glauben, dass im Monat Ramadan der Koran erstmals dem Propheten Mohammed durch den Engel Gabriel offenbart wurde (Beginn der Offenbarungen ab 610 n. Chr.). Auf diese Herabsendung des Korans bezieht sich der Koranvers, in dem steht, dass im Monat Ramadan die Rechtleitung für die Menschen herab gesandt wurde und dass diejenigen, die diesen Monat erleben, in ihm fasten sollen.
Historisch wurde das verpflichtende Fasten im Ramadan in den ersten Jahren nach der Auswanderung Mohammeds nach Medina (etwa 623–624 n. Chr.) eingeführt, und entsprechende Koranverse legten nach und nach Form und Verbindlichkeit des Fastens fest.
Dauer: Monat und tägliche Fastenzeit
Ramadan dauert etwa 29–30 Tage, weil er sich nach dem islamischen Mondkalender richtet, der kürzer ist als der gregorianische Kalender; daher ‚wandert‘ der Monat durch alle Jahreszeiten. An jedem Fastentag wird von Beginn der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang gefastet, also nicht gegessen und nicht getrunken.
Der Fastenmonat endet mit dem Fest des Fastenbrechens (Id al-Fitr), einem der wichtigsten Feste im Islam, das mit gemeinschaftlichen Gebeten, Besuchen und Wohltätigkeit begangen wird.
Für wen gilt das Fasten und welche Vorschriften?
Das Fasten im Ramadan gehört zu den ‚fünf Säulen‘ des Islam und ist damit eine grundlegende Pflicht für erwachsene, gesunde Musliminnen und Muslime. Grundsätzlich gilt die Pflicht für alle mündigen Gläubigen, doch der Koran macht Ausnahmen: Kranke oder Reisende dürfen das Fasten verschieben und an anderen Tagen nachholen.
Während der täglichen Fastenzeit gelten insbesondere folgende Vorschriften:
– Kein Essen und Trinken von der Morgendämmerung bis Sonnenuntergang.
– Verzicht auf Rauchen und Geschlechtsverkehr in dieser Zeit.
– Meidung von ‚unmoralischen Handlungen‘, bewusste Kontrolle von Zunge, Blick und Verhalten.
Darüber hinaus werden empfohlen bzw. stark betont:
– Zusätzliche Gebete, etwa die nächtlichen Tarawih-Gebete, intensivere Koranrezitation und persönliche Bittgebete.
– Großzügige Spenden und Hilfe für Bedürftige, insbesondere die Armenabgabe zum Ende des Ramadan (Zakat al-Fitr).
Von der Pflicht befreit oder erleichtert sind typischerweise Kinder vor der religiösen Mündigkeit, Schwerkranke, Hochbetagte, Schwangere und Stillende, wenn das Fasten ihre Gesundheit gefährden würde; hier gibt es in der islamischen Rechtslehre differenzierte Regelungen, etwa Nachholtage oder Ersatzleistungen durch Speisung Bedürftiger.
Vergleich mit der christlichen Fastenzeit:
Im Christentum gibt es eine Fastenzeit, vor allem die 40 Tage von Aschermittwoch bis Ostern (ohne Sonntage), verstanden als Zeit der Buße, Umkehr und Vorbereitung auf das Osterfest. Traditionell waren auch andere Fastenzeiten bekannt, etwa vor Weihnachten (Advent), besonders in den orthodoxen Kirchen.
Ähnlichkeiten zwischen Ramadan und christlicher Fastenzeit:
– Beide sind Zeiten der Besinnung, der inneren Reinigung und der Hinwendung zu Gott.
– Betonung von Gebet, Umkehr, Wohltätigkeit und Solidarität mit Armen.
– Bewusster Verzicht (auf bestimmte Speisen, Gewohnheiten, Ablenkungen), um Raum für Spiritualität zu schaffen.
Unterschiede Ramadan (Islam) und Fastenzeit (Christentum):
- Ramadan umfasst rund 30 Tage mit täglichem strengen Fasten von Morgendämmerung bis Sonnenuntergang;
die christliche Fastenzeit sind 40 Tage, aber meist ohne tägliches völliges Enthalten von Essen und Trinken. - Im Islam sind Art, Zeiten und Pflichten des Fastens detailliert festgelegt;
im heutigen Christentum sind die Vorschriften oft weniger strikt und stärker von Tradition und persönlicher Frömmigkeit geprägt. - Kalender: Ramadan richtet sich nach dem Mondkalender und verschiebt sich jährlich;
die christliche Fastenzeit ist an Ostern (und damit an den Sonnenkalender und kirchliche Berechnungen) gebunden.
Insgesamt sind beide Zeiten vergleichbar als ’spirituelle Intensivzeiten‘, sie unterscheiden sich aber deutlich in Form und Strenge des Fastens.
Der tiefere Sinn des Ramadan:
Der tiefere Sinn des Ramadan wird in islamischen Quellen und Auslegungen auf mehreren Ebenen gesehen:
- Gottesbewusstsein (Taqwa): Der Koran nennt als Ziel des Fastens, gottesfürchtig zu werden; der tägliche Verzicht soll die Gegenwart Gottes im Alltag bewusst machen und zur inneren Läuterung führen.
- Selbstdisziplin und Kontrolle des ‚Egos‘: Durch das beherrschte Verzichten auf Grundbedürfnisse lernen Gläubige, Triebe und Begierden zu kontrollieren und nicht von spontanen Impulsen bestimmt zu sein.
- Dankbarkeit und Bescheidenheit: Hunger und Durst machen die Selbstverständlichkeit von Nahrung bewusst und fördern Dankbarkeit für alltägliche Gaben.
- Solidarität mit Bedürftigen: Indem Gläubige am eigenen Leib Entbehrung spüren, wächst Mitgefühl mit Armen und Hungernden; daher hat Wohltätigkeit im Ramadan besonderes Gewicht.
- Spirituelle Vertiefung: Vermehrtes Gebet, Koranrezitation und innere Einkehr machen den Monat zu einer Art „spiritueller Schulung“, um den Glauben zu erneuern und schlechte Gewohnheiten abzulegen.
Ein oft genutztes Bild ist: Ramadan ist eine jährliche ‚Innenschau‘ und ‚Trainingseinheit‘ für Körper, Geist und Seele, damit das Leben nach dem Monat bewusster, gerechter und näher an Gott geführt wird.

