Im Museum · Francisco Ayala · Chicago Museum Ägypten · Aventin Storys

Im Museum · Francisco Ayala · Chicago · Fundación

Heute habe ich das Museum für Orientalische Kunst der Universität Chicago besucht, die ich in drei Wochen verlassen werde, vielleicht für immer.

In den sechs oder sieben Jahren, die ich hier verbracht habe, wer weiß, wie viele Male ich an der Museumstür vorbei gegangen bin, ohne jemals hineinzugehen. Aber jetzt verlasse ich Chicago, vielleicht für immer, und da wollte ich das Museum doch noch einmal sehen.

Es ist klein, aber hervorragend; es verdient wohl seinen Ruf. Da gibt es Ausstellungsgegenstände aus Assyrien und aus Ägypten. Ich mache einen Rundgang, bleibe vor den verschiedenen Vitrinen stehen, bewundere Schmuckstücke und Statuen.

Zuletzt verweile ich vor einer schönen Frauenstatue. Lange Zeit bin ich vor ihr stehen geblieben und habe sie betrachtet. Ihre winzig kleinen Füße. Ihre aneinandergelegten Hände, ihre Wangen und ihren wunderschön geformten Kopf. Ihre schmalen Schultern, ihre Kleidung.

Ich kann mich nicht satt sehen an der Schönheit dieser Frau, die vor siebenundzwanzig Jahrhunderten gelebt hat. Tiefe Zärtlichkeit überwältigt mich, eine sonderbare Zärtlichkeit.

Vor siebenundzwanzig Jahrhunderten hat diese Frau gelebt, und ich empfinde jetzt vor ihr Rührung und Schmerz, als stünde ich vor einer Person, die soeben in der Blüte ihrer Jugend gestorben ist.

Was ich empfinde, ist nicht Verehrung, auch nicht Hochachtung vor der Urgeschichte, oder Furcht oder irgend etwas dergleichen: es ist eine betörende Zärtlichkeit, die mich fast zu Tränen rührt.

Bevor ich hinaus gehe, werfe ich noch einen letzten Blick auf diese schöne junge Frau, die mich dermaßen beeindruckt hat.

Wenn ich an Chicago zurück denke, werde ich mich wohl als Erstes immer an diese schöne junge Frau erinnern, die vor siebenundzwanzig Jahrhunderten ihr Leben gelebt hat.

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