Die Meise und das Meer – Iwan Krylow – Fabel
Zum Meer ließ hernieder sich die Meise,
und prahlte abgeschmackterweise,
dass sie das Meer verbrennen werde.
Rasch flog die Kunde um die ganze Erde.
Die Fische stutzten schreckerfüllt,
die Vögel flogen her in Scharen,
aus Wäldern rennt herbei das Wild, um zu erfahren,
wie denn das Meer jetzt sei und ob es lodernd brennt?
Gelockt durch Famas Ruf, der windesschnellen,
erschienen, sagt man, auch lüsterne Gesellen
mit Löffeln als die ersten an dem Strand beim Element!
Sie wollten gleich die Suppe ausprobieren.
Solch eine Brühe konnte wohl im Land
kein Branntweinpächter je servieren.
Man drängt sich, alles lauscht gespannt,
lautlos, den Blick aufs Meer gewandt.
Bisweilen nur hört man ein leises Flüstern:
»Jetzt fängt es an, es kocht, mich dünkt, ich hör‘ es knistern.«
Allein die Zeit verrann, und da das Meer nicht kocht und auch nicht brennt,
so hat man lachend sich getrennt.
Das große Gaukelspiel ging schließlich aus.
Die Meise zog beschämt nach Haus,
nachdem sie Aufsehn zwar geweckt,
jedoch kein Meer in Brand gesteckt.
