Das Testament · Jeremias Gotthelf · Erbschaft und Geld
Schon manchen haben einige beim Tod eines Menschen wohl angewandte Minuten wohlhabend gemacht. Die Erben sind oft nicht gleich bei der Hand, und wer sich nicht fürchtet, aus dem noch nicht erkalteten Hosensack die Schlüssel zu nehmen, kann bis zu ihrer Ankunft viel auf die Seite schaffen.
Fatal ist es aber, wenn der Verstorbene so plötzlich von hinnen gerufen wird, dass er für die, welche zunächst um ihn sind, nicht testamentlich sorgen konnte, und das geschieht oft; denn solche Leute testamentieren nicht gern, sie hoffen noch der Tage viele.
Aber auch da wussten sich schlaue Leute einmal wohl zu helfen. Sie schleppten den Verstorbenen in eine Rumpelkammer, und in das noch nicht erkaltete Bett legten sie einen vertrauten Knecht, setzten ihm die Nachtkappe des Verstorbenen auf und riefen nach Schreiber und Zeugen.
Der Schreiber setzte sich sodann an den Tisch am Fenster, rüstete das Schreibzeug und probierte, ob auch ein guter Wein in den Karaffen sei. Unterdessen ächzt und stöhnt es im dunklen Hintergrund hinter dem dicken Umhang, und eine schwache Stimme fragt, ob der Schreiber bald fertig sei – es geht nicht mehr lange gut mit ihm.
Der Schreiber nimmt hastig das Glas vom Mund und ergreift die Feder und lässt diese flüchtig übers Papier gleiten. Aber immer halblinks schaut er, wo das Glas mit dem guten Wein steht.
Da diktiert, leise hüstelnd, die Stimme hinter dem Umhang das Testament, und der Schreiber schreibt, und freudig hören die Anwesenden, wie sie Erben würden von vielem Gut und Geld.
Aber blasser Schrecken fährt über ihre Gesichter, und faustdicke Flüche quellen ihnen im Hals, als die Stimme spricht: „Und meinem getreuen Knecht, der mir so viele Jahre treu gedient hat, vermache ich achttausend Pfund.“
Der Schalk im Bett hatte sich selbst wohl nicht vergessen und bestimmte für sich selbst somit seinen Lohn für die gut gespielte Rolle.
Er war aber noch bescheiden, denn er hätte sich ja auch zum Haupterben machen können. Was hätten die anderen dann sagen sollen?
Das Testament · Jeremias Gotthelf · Erbschaft und Geld
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Das Testament · Jeremias Gotthelf · Erbschaft und Geld - Schon manchen haben einige beim Tod eines Menschen wohl angewandte Minuten wohlhabend gemacht.
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Autor: Jeremias Gotthelf
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