3/4 · Die Schlacht bei Aidenbach · Joseph Pamler · Volksaufstand
Es war am Freitag den 8. Januar 1706 gegen 10 Uhr Mittags, als die feindlichen Reiter von Westen her erschienen.
Ein fürchterliches Kampfgeschrei erhob sich bei ihrem Anblick im Lager der Landesverteidiger. Die feindlichen Kanonen fingen an zu donnern und brachten wohl manchem Braven tödlichen Gruß. Die Landesverteidiger aber konnten aus ihrem Paar schlecht bedienter Feldstücke solche Grüße nur spärlich erwidern. Die Wehre, die sie mit der Faust umfingen, die sollte ihnen, wie sie glaubten, zum Sieg verhelfen.
Als daher die feindliche Reiterei über die fest gefrorenen Wiesen heran gerückt kam, da warfen sie sich mit Ungestüm auf die feindlichen Reiter, um mit des Armes Kraft den Mangel gehöriger Bewaffnung zu ersetzen. Am Bach hin entspann sich der hartnäckigste Kampf.
Wie wütend kämpften die Bauern mit ihren Hacken, Sensen, Spießen, Gabeln und dreinschlagend und stoßend, während aus nahe gelegenen Gebäuden und Gebüschen einige Hundert verteilter Schützen ein wohlgezieltes Feuer gegen den Feind richteten. Eine Stunde lang hatte der Kampf schon gedauert und noch war es dem Feind nicht gelungen, auf dem rechten Ufer des Baches festen Fuß zu fassen.
Von Kampfes-Wut getrieben drangen nun hie und da einzelne Haufen der Bauern auf das linke Ufer des Baches hinüber, allein zu ihrem Verderben. Sie wurden bald von den Husaren umzingelt und nieder gehauen. Ungewohnt in Reih und Glied zu kämpfen, entstand bald dort bald da eine Lücke in den Reihen der Bauern; die Feinde benützten sie, und es begann allmählich unter den Landesverteidigern eine Verwirrung einzureißen, welcher der Anführer Hoffmann nicht mehr zu steuern vermochte.
Hoffmann, welcher schon am Morgen des verhängnisvollen Tages eine sonst an ihm nicht bemerkte Ängstlichkeit gezeigt hatte, und dem vielleicht die blutige Münchner Christnacht und das Loos vorgeschwebt haben mochte, das ihn treffen würde, wenn er den Österreichern in die Hände fiele, — Hoffmann verließ mit einigen Reitern in diesem kritischen Moment den Kampfplatz und flüchtete sich in die rückwärts gelegenen nahen Wälder.
Lange Zeit irrte dieser unglückliche Hoffmann verkleidet umher. Endlich vom Elende genötigt und in der Meinung, so am wenigsten entdeckt zu werden, trat er in ein österreichisches Regiment ein, wurde aber später erkannt und zu Braunau enthauptet.
Diese unglückselige Flucht gerade in dem entscheidendsten Augenblick, in welchem, wenn auch nicht der Sieg, so doch die Rettung vieler hundert wackerer Männer möglich gewesen wäre, bereitete den Landesverteidigern den Untergang. Alle Ordnung war nun dahin. Verzweiflungsvoll kämpften die Bauern; aber all ihr Mut und ihre Todesverachtung und all die mächtigen Streiche ihrer nervigen Arme konnten den einmal entrissenen Sieg ihnen nicht mehr erringen.
Bald war ihre Schlachtreihe durchbrochen und geteilt, aber nichts desto weniger kämpften sie fort, nicht mehr um den Sieg, sondern um den Tod. Auf dem Handlberg, östlich von Aidenbach, setzte sich die Hauptmasse der Bauern fest. Erbitterter als je entbrannte der Kampf. Gnade wurde weder verlangt noch gegeben. In Strömen floss das Blut. Leichen häuften sich auf Leichen und Hunderte derselben lagen bereits erstarrt auf dem eisigen Boden, Freund und Feind im schrecklichen Wirrwarr durcheinander.
So zieht der blutige Kampf sich hinüber südlich an den Kleeberg, wo viele Hunderte verbluten. Dann wälzt er sich hinüber auf die Felder von Unterskirchen und Tötling und den Reschenberg. Ein Haufe der Bauern hat sich in den Hof zu Oberndobel gezogen und festgesetzt, aber die Husaren umringen den Hof, stecken die Gebäude in Brand und die darinnen sind, verbrennen. Ein größerer Haufe hat sich in das Dorf Tötling geworfen, um in dortigen Gehöften den letzten verzweifelten Widerstand zu leisten.
Der Feind zündet die Häuser an, und was nicht in den Flammen umkam, das fiel unter den Klingen der das Dorf umgebenden Reiter. Nur ein kleiner Haufe Landesverteidiger war noch übrig, der sich zuletzt in die Hofgebäude des Resch im Dobel gezogen hatte, entschlossen, hier das Leben so teuer als möglich zu verkaufen. Da unter ihnen Mehrere mit Schießgewehren versehen waren, so verteidigten sie sich noch einige Zeit sehr wirksam, jede Gnade mit Verachtung zurückweisend.
Da werfen die Feinde Feuer in den Hof, das Feuer greift um sich, und nun Tod und Verderben von innen und außen. Immer seltener fallen die Schüsse, immer mehr verstummt das Kampfgeschrei. Schon schlagen prasselnd die Flammen aus den Dachungen hervor, aber noch steht ein Mann an einem noch von den Flammen verschonten Platz der Scheune hastig schießend und wieder ladend, als achte er nicht der ringsum zuckenden Flammen und der vielen an ihm vorbei sausenden feindlichen Kugeln.
Er schießt, und jede Kugel trifft ihr Ziel. Er schießt — krachend stürzen die brennenden Balken über ihn zusammen — seine letzte Kugel hatte noch die Brust eines feindlichen Offiziers durchbohrt.
Die Nacht war bereits herangerückt; fast sechs Stunden hatte der Kampf gedauert. Das Morden war zu Ende, nur die Flammen prasselten noch aus den Gehöften zu Tötling, Resch im Dobel und Oberndobel als eine schauerliche Todesfackel für die heldenmütig gefallenen Kämpfer.
Als das Gemetzel schon zu Ende war, kam auch noch der Oberstleutenant Marschall von Vilshofen her mit tausend Mann. Das blutige Werk war aber schon vollbracht, und er kehrte daher wieder um. An Meindl und Zelli aber, die mit ihren Schaaren schon in Griesbach eingetroffen waren, brachten Flüchtende die Trauerbotschaft: »Es ist zu spät!«
Da lagen sie nun die Treuen, mit ihren Leichen bedeckend alle Hügel und Felder ringsumher, und mit ihrem Blut färbend die vaterländische Erde, die eigenen Felder und Fluren, da lagen sie, zum Beweise, was das Volk der Bayern für das Vaterland und angestammte Fürstenhaus zu opfern fähig ist.
An den folgenden Tagen kam eine Menge von Frauen und älteren Männern aus der umliegenden Gegend, um die Leichen ihrer Männer, Söhne, Brüder und Verwandten auf dem Schlachtfeld aufzusuchen und nach Hause zum Begräbnisse zu bringen. Viele wurden auf diese Weise fortgebracht, bei weitem die größere Zahl der Gefallenen wurde aber in großen Gruben auf dem Handelberg, Kleeberg und auf dem Reschenberg sowie in den Gottesäckern zu Aidenbach, Beutelsbach und der Pfarrei Eggelham begraben.
In den Pfarrbüchern einiger Pfarreien finden sich noch Ausschreibungen, welche über die Zahl der Gefallenen einige Aufschlüsse geben und auch die Namen vieler derselben enthalten. Sie hier anzuführen, mag nicht am unrechten Platze sein. Pfarrer Alphons Schönbuchner von Beutelsbach schrieb in das Pfarrbuch: »Anno 1706 den 8. Januar«
. . . Auf dem Kleeberg sieht man 4 Gruben, liegen begraben 318, auf dem Reschenberg aber sind zu sehen 6, wo drinnen sich 600.
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