2/4 · Die Schlacht bei Aidenbach · Joseph Pamler · Volksaufstand

Auf einmal erhob sich in verschiedenen Gegenden des Landes das Bayerische Landvolk, um die unerträglichen Fesseln zu brechen.

»Lieber bayerisch sterben, als kaiserlich verderben!« erscholl es von Ort zu Ort, von Gau zu Gau, durchs ganze Land.

Kühne und entschlossene Führer traten an die Spitze dieser bald zu vielen Tausenden angewachsenen, mit dem Mut der Verzweiflung erfüllten Landleute, und wäre damals noch eine nur etwas bedeutende bayerische oder französische Armee in der Nähe gewesen, der Ausgang wäre dann wahrscheinlich ein ganz anderer geworden.

Anfangs wurden einzelne österreichische Abteilungen angegriffen, und viele zum österreichischen Kriegsdienst ausgehobene Jünglinge wieder befreit, bald aber auch die von den Kaiserlichen besetzten niederbayerischen Städte in rascher Eile von den Landesverteidigern erobert und besetzt.

Der tapfere Plinganser aus Pfarrkirchen, der eben seine Studien als Jurist vollendet hatte, und der wackere Meindl, ebenfalls ein Studierender, waren die Häupter und Leiter dieser Unternehmungen in Niederbayern.

Auch in Oberbayern, in der Oberpfalz und im bayerischen Wald hatten die Waffen der Landesverteidiger manch glücklichen Erfolg. Allein es blieb nicht so. Eine Schaar oberbayerischer Landleute hatte sich Münchens bemächtigen wollen, aber niederträchtiger Verrat vereitelte ihr Unternehmen und die Mehrzahl der 5000 Mann starken Schaar fiel im hartnäckigsten Kampf zu München und Sendling in der Christnacht 1705.

Schnell verbreitete sich diese Schreckenskunde durchs ganze Land, aber sie entmutigte nicht. Noch standen mehrere Tausende entschlossener Männer an der Vils und Rott bereit, das Äußerste zu wagen und entweder zu siegen und ihre gefallenen Brüder zu rächen, oder treu ihrem Wahlspruch zu sterben wie sie.

Eine Schaar von siebentausend Landesverteidigern sammelte sich eben damals um Aidenbach unter ihrem Anführer Hoffmann, einem ehemaligen Wachtmeister im Weikelschen Kürassierregiment, welcher unter Max Emanuel die türkischen Feldzüge mitgemacht hatte. Mit Ungestüm verlangte die Schaar nach einer Schlacht.

Die Häupter des Aufstandes aber, welche damals in Braunau sich befanden, waren keineswegs geneigt, durch Lieferung einer Hauptschlacht Alles aufs Spiel zu setzen und schickten deswegen an die unter Hoffmann bei und in Aidenbach stehenden Landesverteidiger den Auftrag, vor dem anrückenden Feind zurückzuweichen so lange, bis man eine Gelegenheit habe, ihm einen bedeutenden Schlag mit Sicherheit beibringen zu können.

Allein die vom Mut der Verzweiflung beseelten Schaaren ließen sich von ihrem Vorsatz nicht abbringen. Inzwischen war Vilshofen wieder in die Gewalt der Kaiserlichen gefallen. Der kaiserliche Oberst D’Argnan hatte sich nämlich in Straubing mit 1000 Mann auf der Donau eingeschifft und war bei Vilshofen zunächst der St. Barbarakirche oberhalb der Stadt ans Land gestiegen, um sich von da aus der nur mit einer geringen Anzahl Bauern besetzten Stadt zu bemächtigen.

Er schickte den Guardian und einen anderen Pater des außerhalb der Stadt gelegenen Kapuzinerklosters in die Stadt und ließ die Besatzung zur Übergabe auffordern. Während aber in der Stadt noch Rat gepflogen wurde, was zu tun sei, stürmten die Kaiserlichen unter dem Vorwand zu langen Zögerns die Palisaden und drängten die Bauern bis unter das Tor zurück.

Schon waren sie daran, auch dieses zu stürmen, als der Magistrat freiwillig das Tor öffnete, und die Kaiserlichen durch Empfangsfeierlichkeiten so lange hinhielt, bis die Bauern mit ihren drei Offizieren Georg König,einem ehemaligen Rittmeister, Andreas Ertl und Adam Zuginger auf der entgegengesetzten Seite über die Vils hinaus entkommen waren.

So hatte also der Feind im Rücken der bei Aidenbach stehenden Landesverteidiger festen Fuß gefasst, und einen wichtigen Platz an der Donau in seiner Gewalt. Die Landesverteidiger erkannten auch die Größe dieses Verlustes gar wohl und entsendeten daher am 30. Dez. 1705 einige hundert Mann, um Vilshofen durch einen Handstreich wieder zu gewinnen. Allein die Wachsamkeit der Österreicher vereitelte ihr Unternehmen, und mehrere von ihnen wurden von den nachsetzenden Husaren bei Ließing ereilt und zusammen gehauen.

Unterdessen war der österreichische General Kriechbaum am 2. Januar 1706 von München her mit einem Korps von 3000 Mann Kavallerie und einigen Kanonen aufgebrochen und rückte jetzt, nachdem er noch einige Reiterabteilungen zur Verstärkung an sich gezogen hatte, eilig nach Niederbayern vor.

Als die Häupter der Landesverteidiger in Braunau hiervon Kunde erhielten, sendeten sie schnell einige Hauptleute mit Mannschaft und Geschütz nach Aidenbach. An Freiherrn von Prielmayer, der mit dem bayerischen Regimente »Herzog Philipp« in Burghausen stand und an den Oberst Zelli erging ebenfalls von Braunau aus der Befehl, mit ihren Truppen die Landesverteidiger bei Aidenbach zu verstärken und dann dem Feind die Spitze zu bieten.

Einen gleichen Auftrag erhielt der General Freiherr D’Ocfort, mit seiner Reiterei ebendahin aufzubrechen. Allein Freiherr von Prielmayer weigerte sich, blieb ungeachtet des
zweimaligen Befehles untätig in Burghausen sitzen und legte endlich, als ein dritter geschärfter Befehl an ihn erging, seine Befehlshaberstelle nieder.

D’Ocfort hingegen, der sich überhaupt immer in einem sehr zweideutigen Licht gezeigt hatte, weigerte sich geradezu und erklärte: »Er habe zwar gelernt, Soldaten zu kommandieren, aber nicht Bauern, und er wolle sich eher massakrieren lassen, als mit Bauern gegen einen regulierten Feind kämpfen.«

So verging eine kostbare Zeit unter Zaudern und Gezank, bis dann — aber schon zu spät — der wackere Schützenobrist Meindl und der Oberst Zelli mit ihren Schaaren nach Aidenbach aufbrachen.

Mittlerweile war der österreichische General Kriechbaum bereits am 6. Januar in Eggenfelden eingetroffen, hatte dort übernachtet und beabsichtigte zweifelsohne seinen Marsch über Pfarrkirchen fortzusetzen und dann eine Vereinigung mit den österreichischen Streitkräften in Vilshofen zu erzwecken.

Da bot ein Verräter sich ihm an und brachte ihn zu einem anderen Entschluss. Dieser war Johann Paul Wallner, Gerichtsschreiber von Pfarrkirchen, welcher Tags vorher in Aidenbach gewesen war und das Lager der Landesverteidiger ausgekundschaftet hatte.

Belohnung hoffend, berichtete er dem General Kriechbaum, dass die Bauern 7000 Mann stark bei Aidenbach stünden,Verstärkung erwartend, die auch bereits vom Inn her im Anzug begriffen wäre und einige tausend Mann stark sei. Er möge daher, bevor noch das Rebellenhaus Zuzug erhalte, rasch gegen Aidenbach ziehen, und er, Wallner, wolle ihn auf dem kürzesten und sichersten Wege dahin geleiten.

Kriechbaum rückte demnach über Dummeldorf vor, wo er übernachtete, und entsendete auf Umwegen einen Boten nach Vilshofen, mit dem Auftrag an den Oberstleutnant Marschall, die Bauern am anderen Tag unverzüglich im Rücken anzugreifen.

Des nächsten Tages in aller Frühe brach Kriechbaum gegen Aidenbach auf. Eine Stunde davon entfernt erfuhr er, dass die Macht der Bauern noch in unveränderter Stellung in und um Aidenbach stehe und noch keine Verstärkung erhalten habe. Er ordnete daher bei Haidenburg seine Schaaren und rückte gegen die Landesverteidiger vor.

Diese hatten sich, siebentausend Mann stark, mit vielem Vorteil auf dem Hügel östlich und südlich von Aidenbach aufgestellt. Aidenbach und die Dörfer Karling und Heft waren von ihnen besetzt, vor sich gegen Westen nach Haidenburg zu hatten sie einen tiefen Bach und darüberhinaus eine, wenigstens zur Sommerszeit ziemlich sumpfige Wiesenfläche, hinter sich aber und zu beiden Seiten dichte Wälder.

Die durch den Wald bei Buchenöd nach Vilshofen führende Strasse hatten sie durch Verhaue und Gräben unbrauchbar gemacht, um von dorther gesicherter zu sein.

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