1/4 · Die Schlacht bei Aidenbach · Joseph Pamler · Volksaufstand

Um den Gang der Ereignisse, in deren Folge das sonst so unbekannte Aidenbach in der vaterländischen Geschichte einen Namen erhalten hat, allen möglichst verständlich zu machen, wird es zweckdienlich sein, einen kurzen Überblick der damaligen politischen Sachlage vorauszuschicken.

Eines der größten Reiche, das je die Welt gesehen, war um das Jahr 1700 Spanien, ein Reich, in dem, wie man zu sagen pflegte, die Sonne niemals unterging. Der König dieses Reiches, Karl II. war alt, gebrechlich und kinderlos.

Wer soll der Erbe dieses Reiches werden? Das war die Frage, die damals alle Welt beschäftigte. König Karl II. hatte aber zwei Schwestern, von denen die eine Namens Maria Theresia an den König Ludwig XIV. von Frankreich, die andere, Margaretha Theresia, an den Kaiser Leopold von Österreich verheiratet war.

Eine Tochter dieser Margaretha, nämlich die Maria Antonia, war im Jahre 1685 die Gemahlin des Churfürsten Max Emanuel von Bayern geworden und hatte ihm am 28. Okt. 1692 einen Prinzen Namens Joseph Ferdinand geboren.

So war Max Emanuel in nahe verwandtschaftliche Verhältnisse zum König Karl von Spanien gekommen und hatte insbesondere durch den ausgebreiteten Ruf seines Heldenmutes das Wohlwollen des Königs in so hohem Grade erworben, dass ihm der König die Statthalterschaft der spanischen Niederlande mit einem Gehalt von monatlich fünfundsiebzigtausend Reichsthalern übertrug.

Am 26. März 1692 hielt Max Emanuel seinen feierlichen Einzug in Brüssel. Während nun die verschiedenen Mächte wegen der zu erwartenden spanischen Erbschaft bereits mancherlei Pläne schmiedeten, erklärte der König Karl II. von Spanien im April des Jahres 1698 mittelst eines feierlichen Testamentes den bayerischen Prinzen Joseph Ferdinand, den Sohn Max Emanuels, zum einzigen Universalerben der ganzen spanischen Monarchie.

Max Emanuel, am Ziele seiner kühnsten Hoffnungen sich sehend, ließ alsogleich den jungen Prinzen zu sich nach Brüssel bringen, und schon standen in Amsterdam vierundzwanzig Kriegsschiffe bereit, um den Churfürsten mit dem jungen Prinzen und Thronerben nach Spanien hinüberzubringen, als der Prinz plötzlich erkrankte und am 5. Februar zu Brüssel starb.

Dem zweideutigen Benehmen der französischen Ärzte bei der Krankheit des Prinzen sagt die Welt das Schlimmste nach.

Max Emanuels Schmerz war grenzenlos. König Karl II. setzte aber nun den Prinzen Philipp von Frankreich und Herzog von Anjou, einen Enkel seiner Schwester Maria Theresia, zum
Erben der spanischen Lande ein. Allein dieses behagte weder dem Kaiser Leopold, noch den Engländern.

Der Kaiser erklärte das Testament für ungültig und er und England rüsteten gegen Frankreich. Lange schwankte Emanuel, welcher der beiden Parteien, von denen jede ihn zu gewinnen suchte, er sich zuwenden sollte.

Da aber Österreich für die vielen Opfer, welche Emanuel in den Türkenkriegen gebracht hatte, noch immer die versprochene Entschädigung nicht leistete und überdies ihm nicht einmal sein Guthaben in den Niederlanden verbürgen wollte, so brachten endlich die französischen Unterhändler den Churfürsten auf Frankreichs Seite, indem sie ihm für den Fall des Sieges die Statthalterschaft der Niederlande erblich zu geben versprachen.

Der Krieg begann. Max Emanuel hatte Alles aufgeboten, um eine Achtung gebietende Macht ins Feld zu stellen. Der zehnte wehrhafte Mann im ganzen Land musste zu den Fahnen eilen. Aus Aidenbach allein rückten 17 junge Männer in den Sammelplatz nach Plattling ein. Und alle Gerichts- und Hofmark-Amtsleute hatten sich bis 9. Februar 1703 mit ihren Pferden in München einzustellen.

Zweimal kam in dieser Zeit der Churfürst nach Aidenbach. Das erste Mal am 19. Dezember 1702, hielt sich aber nur kurze Zeit auf und reiste am nämlichen Tage wieder über Griesbach weiter, von allen Seiten von freudigem Jauchzen des für seinen Fürsten begeisterten Volkes begrüßt.

Als dann der Churfürst im März des Jahres 1703 als Sieger über den von ihm am 11. März 1703 bei Eisenbirn geschlagenen österreichischen General Schlick zurückkehrte, kam er zum zweiten Mal nach Aidenbach, um da zu übernachten. Auf die Kunde davon strömte Alles herbei und umdrängte jubelnd den Fürsten.

Alle wollten denjenigen sehen, dessen Tapferkeit jede Zunge pries und dessen Heldenruhm jedes bayerische Herz mit edlem Stolz erfüllte. Der Churfürst, welcher sich äußerst freundlich und herablassend benahm, nahm sein Nachtquartier im Haus des Gastwirthes und Handelsmannes Ulrich Brandhuber und war nicht wenig darüber erfreut, in dem Besitzer dieses Hauses einen jener wackeren Reiter wieder erkannt zu haben, die unter ihm gegen die Türken so tapfer gekämpft hatten.

Des anderen Tages reiste der Churfürst von den herzlichsten Segenswünschen begleitet nach Plattling ab. Wie wahr und ungeheuchelt die bei seiner Einkehr und Abreise hier geäußerte Begeisterung des Volkes für seinen Fürsten war, das hat nach kurzer Zeit dasselbe Volk an derselben Stätte durch die Tat bewiesen.

Siegreich ging Max Emanuel aus den ersten Kämpfen hervor. Bald aber änderte sich die Lage der Dinge.

Ungünstig für den Churfürsten fiel der nach Tirol unternommene Feldzug aus, ungünstig für ihn ein am Schellenberg bei Donauwörth am 2. Juli 1704 geschlagenes Treffen, noch ungünstiger aber die am 13. August 1704 bei Höchstädt vorgefallene Hauptschlacht, in welcher die französisch-bayerische Armee durch die Schuld des mit der Unüberwindlichkeit seiner Franzosen prahlenden französischen Generals Tallard eine vollständige Niederlage durch die Österreicher und Engländer unter Eugen und Malborough erlitt.

Max Emanuel sah sich jetzt genötigt, mit dem Rest seiner Truppen in die Rhein-Gegenden sich zurückzuziehen und sein treues Bayernland dem siegenden Feind zu überlassen.

Bayern wurde nun als eroberte Provinz betrachtet, und hart und schwer lag Österreichs Hand auf dem Volk der Bayern. Halbwilde Horden durchschwärmten das Land, Plünderungen, Gewalttätigkeiten und Gräuel aller Art verübend.

Erpressungen über Erpressungen wurden dem ohnehin schon ganz erschöpften Volke auferlegt, die waffenfähige junge Mannschaft zur Nachtzeit gewaltsam aus den Häusern gerissen und fortgeschleppt zum österreichischen Kriegsdienst, und zum Kampf gegen das eigene teure Vaterland und Fürstenhaus gezwungen.

Ein freilich nur schwaches Bild von dem, was in jener harten Zeit unsere Gegend nur allein in dem Jahre 1704 bis 1705 zu leiden gehabt hat, geben uns die damalige Gemeinderechnung von Aidenbach und andere Ausschreibungen wieder.

Wir lesen da von der Plünderung des Marktes, von zerschmetterten Türen, ausgerissenen Fensterstöcken, zertrümmerten Kästen, zerschlagenen Fässern und von fortwährenden Geldforderungen, deren Summe für die Marktgemeinde allein in dem einzigen Jahre auf 1376 fl. 45 kr. sich belief.

Solches und Ähnliches hatten aber damals auch alle anderen Ortschaften in ganz Bayern zu erdulden. Die vielen Gewalttätigkeiten und fortwährenden Erpressungen, die Kunde von der unwürdigen Behandlung der in Feindesgewalt befindlichen churfürstlichen Prinzen, dann der jedem Bayer unerträgliche Gedanke, dem Szepter des angestammten Fürstenhauses entrissen zu sein — das war zu viel für das Herz des Volkes und regte den sonst so ruhigen und gutmütigen Landmann zu wunderbarer Tatkraft und Entschlossenheit auf.

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